2. Exogene Prozesse in Island
2.1 Gletscher
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Gletscher auf Island
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Die ausgedehnten Plateaugletscher Islands bedecken etwa 11 Prozent der Insel mit Eis. Sie haben eine Mächtigkeit von bis zu 1.000 Metern und begraben unter sich
ganze Gebirge. Der größte Gletscher Islands ist der Vatnajökull im Südosten. Er
bedeckt eine Fläche von über 8.300 km² und ist damit fast zehn Mal so groß, wie das Bundesland Berlin. Die nächstgrößeren Eismassen sind Langjökull (950 km²),
Hofsjökull (923 km²), Mýrdalsjökull (600 km²) und Drangajökull (160 km²). Zu den kleineren Plateaugletschern zählen Eyjafjallajökull (80 km²) und Tungnafellsjökull
(50 km²). Der Snæfellsjökull auf der Halbinsel Snæfellsnes wurde u.a. durch den
Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde” von Jules Verne bekannt. Er umfasst eine Fläche von 11 km² und ist damit einer der kleinsten unter den isländischen Eisriesen.
Aufgrund der enormen Dicke der Eismassen ist der Druck im unteren Bereich so hoch, dass das Wasser trotz der Kälte flüssig
bleibt. Auf diesem Wasserfilm fließen Gletscher langsam die Hänge hinunter. Je nach den Gegebenheiten der Landschaft
können die Fließgeschwindigkeiten sehr unterschiedlich sein. In Island wurden bei einigen Talgletschern Werte bis zu 25 Metern pro Tag gemessen.
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Hofsjökull im zentralen Hochland
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Die isländischen Plateaugletscher sind im Gegensatz zum grönländischen Inlandeis keine Überbleibsel der letzten Eiszeit. Sie entstanden erst im Holozän, nachdem
Island kurzzeitig nahezu eisfrei war. In den letzten Jahrzehnten ist wie in anderen Regionen der Welt auch in Island ein Rückzug der Talgletscher zu beobachten. Um
1900 hatte der Snæfellsjökull noch eine Größe von rund 22 km². Bis heute hat sich seine Fläche auf die Hälfte reduziert. Den Rückgang der Gletscher lässt sich auch bei
der von Touristen viel besuchten Gletscherlagune Jökulsálón erkennen. Hier reichte
der Gletscher noch vor wenigen Jahrhunderten bis zum Meer. In den letzten 150 Jahren, in denen weltweit eine Klimaerwärmung festzustellen ist, hat sich der vom
Vatnajökull kommende Talgletscher Breiðamerkurjökull zurückgezogen und mit der Lagune eine Art Fjord gebildet. Die Rinne vom Gletscher bis zum Ozean ist
stellenweise 160 Meter tief. Im Gegensatz zu einem Fjord ist dieser See aber mit Süßwasser des Gletschereises gefüllt.
2.2 Flüsse
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Canyon der Jökulsá á Fjöllum
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Wasser prägt die Landschaft Islands. Die gigantischen Wassermassen stammen größtenteils von den Schmelzwassern der gigantischen Inlandsgletscher, zum
anderen Teil aus Niederschlägen. Mit gewaltiger Erosionskraft fließen die Flüsse Islands in Richtung Meer und führen dabei riesige Mengen an Sedimenten mit sich.
Der Fluss Jökulsá á Fjöllum im Nordosten Islands transportiert beispielsweise im Jahresdurchschnitt pro Liter etwa zwei Gramm Suspensionsfracht. An der Kante des Wasserfalls Dettifoss entspricht das einer Menge von über 120 Tonnen
Gesteinsmaterial pro Stunde! Auf ihrem Weg zum Meer hat die Jökulsá flussabwärts des Dettifoss einen tiefen Canyon in die Basaltschichten gegraben und auf diese
Weise einen ehemaligen Vulkanschlot im Querschnitt freigelegt. Trockenen Fußes lässt sich ein ähnlicher Canyon einige Kilometer weiter nördlich durchstreifen, wo sich
das Flussbett noch vor einigen Tausend Jahren befand. In der windgeschützten Schlucht von Ásbyrgi hatt sich mittlerweile eine üppige Vegetation breitgemacht.
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Name
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Länge
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Durchschnittliche Wasserführung
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Þórsá
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230 km
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400 m³/s
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Hvítá
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117 km
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170 m³/s
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Ölfusá
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185 km
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423 m³/s
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Jökusá á Fjöllum
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206 km
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185 m³/s
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Laxá
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93 km
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60 m³/s
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Tabelle: Isländische Flüsse
Auffallend sind die vielen Wasserfälle, die sich an diesen Flüssen befinden. Ihre Entstehung kann verschiedene Ursachen haben:
- Plötzlicher Übergang von festem in lockeres Gestein: Das lockere Material wird schneller abgetragen, so dass eine
Schlucht entsteht. Beispiel: Gullfoss
- Tektonische Einflüsse (Aufreißen einer Spalte). Beispiele: Öxaráfoss, Ófærufoss
- Vulkanisch bedingte Wasserfälle: Ein Fluss muss über ein neu entstandenes Lavafeld fließen.
Beispiel: Goðafoss
- Durch Eiszeitgletscher entstandene Höhenunterschiede. Beispiel: Hengifoss
- Ehemalige Steilküsten. Beispiel: Skógafoss
2.3 Winderosion
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Erosion in Nordisland
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Neben Gletschern und Flüssen wirkt vor allem der Wind als massive Erosionskraft auf die Abtragung der isländischen Landmasse ein. Durch die isolierte Lage in Mitten des
Nordatlantiks fegen besonders im Herbst heftige Stürme über die Insel. Diese Kräfte greifen das lockere Vulkangestein an und befördern vor allem die durch Flüsse und
Gletscher freigesetzten Sedimente in Form von Staubstürmen über die Insel.
Besonders im östlichen Hochland begegnet man immer wieder solchen Staubstürmen, die den Sand zum Teil bis ins Mývatn-Gebiet oder gar bis über die Küstenlinie befördert.
Gefördert wird die Winderosion durch Eingriffe des Menschen. Dort, wo Pisten die
anfällige Grasfläche durchschneiden, können Winde besonders gut ansetzen und die
Abtragung beschleunigen. Aus diesem Grund ist auch das Autofahren außerhalb der Pisten streng verboten, denn die
eingedrückten Reifenspuren bieten dem Wind eine günstige Angriffsfläche. Um die Winderosion zu verlangsamen, ist man in
Island um eine (Wieder-) Aufforstung bemüht. Auch die flächendeckende Bepflanzung durch Lupinen soll dem Boden den notwendigen Halt geben.
2.4 Erosion an der Küste
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Brandung and der Südküste Islands
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Der rauhe Nordatlantik ist in den Küstenregionen die stärkste Erosionskraft. Gegen
sie lässt sich durch den menschen nur wenig ausrichten. Meterhohe Wellen schlagen permanent ungebändigt gegen die Küsten Islands und tragen so auf Ihre
Weise zur Erosion bei. Die starken Winde im Nordatlantik, die daraus resultierenden Wellen des Ozeans und nicht zuletzt auch die Gezeitenschwankungen bewirken somit
die Abtragung der Insel. Bisher heben aber die Kräfte des Vulkanismus die Oberhand behalten und die Insel immer weiter vergrößert. Es ist jedoch davon auszugehen,
dass dies auch in naher Zukunft so bleiben wird.
2.5 Literaturhinweis
Geologie von Island - Gesteine und Landschaften Þorleifur Einarsson
304 Seiten, 3. deutsche Auflage Verlag Mál og Menning, Reykjavik 1994
ISBN: 9979-3-0690-4

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