Erosion in Island

Als exogene Prozesse werden in der Geologie alle Vorgänge an der Erdoberfläche bezeichnet. Hierzu zählen alle Prozesse, die zur Abtragung von Land betragen. Die exogenen Prozesse in Island werden auf dieser Seite beschrieben.

Gletscher

Gletscher Islands
Gletscher auf Island

Die ausgedehnten Plateaugletscher Islands bedecken etwa 11 Prozent der Insel mit Eis. Sie haben eine Mächtigkeit von bis zu 1.000 Metern und begraben unter sich ganze Gebirge. Der größte Gletscher Islands ist der Vatnajökull im Südosten. Er bedeckt eine Fläche von über 8.300 km² und ist damit fast zehn Mal so groß, wie das Bundesland Berlin. Die nächstgrößeren Eismassen sind Langjökull (950 km²), Hofsjökull (923 km²), Mýrdalsjökull (600 km²) und Drangajökull (160 km²). Zu den kleineren Plateaugletschern zählen Eyjafjallajökull (80 km²) und Tungnafellsjökull (50 km²). Der Snæfellsjökull auf der Halbinsel Snæfellsnes wurde u.a. durch den Roman "Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Verne bekannt. Er umfasst eine Fläche von 11 km² und ist damit einer der kleinsten unter den isländischen Eisriesen.

Aufgrund der enormen Dicke der Eismassen ist der Druck im unteren Bereich so hoch, dass das Wasser trotz der Kälte flüssig bleibt. Auf diesem Wasserfilm fließen Gletscher langsam die Hänge hinunter. Je nach den Gegebenheiten der Landschaft können die Fließgeschwindigkeiten sehr unterschiedlich sein. In Island wurden bei einigen Talgletschern Werte bis zu 25 Metern pro Tag gemessen.

Hofsjökull
Hofsjökull im zentralen Hochland

Die isländischen Plateaugletscher sind im Gegensatz zum grönländischen Inlandeis keine Überbleibsel der letzten Eiszeit. Sie entstanden erst im Holozän, nachdem Island kurzzeitig nahezu eisfrei war. In den letzten Jahrzehnten ist wie in anderen Regionen der Welt auch in Island ein Rückzug der Talgletscher zu beobachten. Um 1900 hatte der Snæfellsjökull noch eine Größe von rund 22 km². Bis heute hat sich seine Fläche auf die Hälfte reduziert.

Der Rückgang der Gletscher lässt sich auch bei der von Touristen viel besuchten Gletscherlagune Jökulsálón erkennen. Hier reichte der Gletscher noch vor wenigen Jahrhunderten bis zum Meer. In den letzten 150 Jahren, in denen weltweit eine Klimaerwärmung festzustellen ist, hat sich der vom Vatnajökull kommende Talgletscher Breiðamerkurjökull zurückgezogen und mit der Lagune eine Art Fjord gebildet. Die Rinne vom Gletscher bis zum Ozean ist stellenweise 160 Meter tief. Im Gegensatz zu einem Fjord ist dieser See aber mit Süßwasser des Gletschereises gefüllt. Aufgrund des fortgeschrittenen Rückzugs des Gletschers in den vergangenen Jahren konnte die Gletscherlagune im Sommer 2009 neu vermessen. Dabei wurde eine Maximaltiefe von 284 Metern festgestellt, was Jökulsálón zum tiefsten See Islands macht. Bisher galt Öskjavatn in der Askja Caldera als tiefstes Binnengewässer.

Flüsse

Jökulsá á Fjöllum
Canyon der Jökulsá á Fjöllum

Wasser prägt die Landschaft Islands. Die gigantischen Wassermassen stammen größtenteils von den Schmelzwassern der gigantischen Inlandsgletscher, zum anderen Teil aus den vielen Niederschlägen über der Vulkaninsel. Mit gewaltiger Erosionskraft fließen die Flüsse Islands in Richtung Meer und führen dabei enorme Mengen an Sedimenten mit sich.

Sehr deutlich ist die Erosion an der Jökulsá á Fjöllum im Nordosten Islands erkennbar. Der Fluss transportiert im Jahresdurchschnitt pro Liter etwa zwei Gramm Suspensionsfracht. An der Fallkante des Wasserfalls Dettifoss entspricht dies einer durchschnittlichen Fracht von über rund 120 Tonnen Gesteinsmaterial pro Stunde. Auf ihrem Weg zum Meer hat die Jökulsá flussabwärts des Dettifoss einen tiefen Canyon in die Basaltschichten gegraben und auf diese Weise sogar einen ehemaligen Vulkanschlot im Querschnitt freigelegt. Trockenen Fußes lässt sich ein ähnlicher Canyon einige Kilometer weiter nördlich durchstreifen, wo sich das Flussbett noch vor einigen Tausend Jahren befand. In der windgeschützten Schlucht von Ásbyrgi hat sich mittlerweile eine üppige Vegetation breit gemacht.

Ebenfalls stark erodierend wirken die großen Flüsse im Süden der Insel. Beispielsweise die Hvitá, an der sich der bekannte Wasserfall Gullfoss bildete. Oder aber auch Islands längster Fluss, die Þórsá, die etwas weiter östlich der Hvitá verläuft.

Name Länge Durchschnittliche Wasserführung
Þórsá 230 km 400 m³/s
Hvítá 117 km 170 m³/s
Ölfusá 185 km 423 m³/s
Jökusá á Fjöllum 206 km 185 m³/s
Laxá í Aðaldal 56 km 60 m³/s
Tabelle: Isländische Flüsse

Auffallend sind die vielen Wasserfälle, die sich an diesen Flüssen befinden. Ihre Entstehung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Plötzlicher Übergang von festem in lockeres Gestein: Das lockere Material wird schneller abgetragen, so dass eine Schlucht entsteht. Beispiel: Gullfoss

  • Tektonische Einflüsse (Aufreißen einer Spalte). Beispiele: Öxaráfoss, Ófærufoss

  • Vulkanisch bedingte Wasserfälle: Ein Fluss muss über ein neu entstandenes Lavafeld fließen. Beispiel: Goðafoss

  • Durch Eiszeitgletscher entstandene Höhenunterschiede. Beispiel: Hengifoss

  • Ehemalige Steilküsten. Beispiel: Skógafoss

Winderosion

Erosion
Erosion in Nordisland

Neben Gletschern und Flüssen wirkt vor allem der Wind als massive Erosionskraft auf die Abtragung der isländischen Landmasse ein. Durch die isolierte Lage in Mitten des Nordatlantiks fegen besonders im Herbst heftige Stürme über die Insel. Diese Kräfte greifen das lockere Vulkangestein an und befördern vor allem die durch Flüsse und Gletscher freigesetzten Sedimente in Form von Staubstürmen über die Insel. Besonders im östlichen Hochland begegnet man immer wieder solchen Staubstürmen, die den Sand zum Teil bis ins Mývatn-Gebiet oder gar bis über die Küstenlinie befördert.

Gefördert wird die Winderosion durch Eingriffe des Menschen. Dort, wo Pisten die anfällige Grasfläche durchschneiden, können Winde besonders gut ansetzen und die Abtragung beschleunigen. Aus diesem Grund ist auch das Autofahren außerhalb der Pisten streng verboten, denn die eingedrückten Reifenspuren bieten dem Wind eine günstige Angriffsfläche. Um die Winderosion zu verlangsamen, ist man in Island um eine (Wieder-) Aufforstung bemüht. Auch die flächendeckende Bepflanzung durch Lupinen soll dem Boden den notwendigen Halt geben.

Erosion an der Küste

Küste Islands
Brandung an der Südküste Islands

Der rauhe Nordatlantik ist in den Küstenregionen die stärkste Erosionskraft in Island. Meterhohe Wellen schlagen permanent gegen die Küsten und tragen so auf Ihre Weise zur Erosion an den Schelfregionen bei. Die starken Winde im Nordatlantik, die daraus resultierenden Wellen des Ozeans und nicht zuletzt auch die Gezeitenschwankungen bewirken somit die Abtragung der Insel vom Meer aus.

Bisher haben aber die Kräfte des Vulkanismus die Oberhand behalten und die Insel immer weiter vergrößert. Es ist davon auszugehen, dass dies auch in den nächsten Jahrmillionen so bleiben wird.


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