Island-Nachrichten von April bis Juni 2007

Iceland Drilling kauft Bohrtechnik von Herrenknecht

Reykjavik (Iceland Drilling Ltd.) - Das baden-württembergische Unternehmen Herrenknecht Vertical GmbH liefert an das isländische Unternehmen Iceland Drilling Hochleistungsbohrgeräte im Wert von etwa 60 Millionen Euro. Die Hightech-Großbohrgeräte sind speziell darauf ausgelegt, sehr tief nach geothermischer Wärme zu bohren. Ein entsprechender Vertrag wurde Anfang Mai von einer Tochtergesellschaft der Iceland Drilling und Herrenknecht Vertical, einer Tochtergesellschaft der Herrenknecht Vertical AG, abgeschlossen.

Der Kaufvertrag für die erste Bohreinheit ist bereits unterschrieben. Diese soll im Herbst 2007 geliefert werden und in Süddeutschland zum Einsatz kommen. Dort wird Erdwärme aus 5000 Metern Tiefe gewonnen. Die Lieferung der nächsten Einheit ist für Mitte 2008 geplant. (18. Juni 2006)


Europäische Reiseveranstalter fordern Stopp des Walfangs in Island

München / Wädenswil: (WDCS Deutschland) - 19 Reiseunternehmen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und England sprechen sich kurz vor Beginn der Tagung der Internationalen Walfangkommission in Alaska in einer Stellungnahme klar gegen den Walfang in Island aus. Sie folgen damit einem Aufruf der Walschutzorganisationen OceanCare und WDCS.

Island ist einer der besten Plätze für Walbeobachtung. Fast die Hälfte aller bekannten Wal- und Delfinarten besuchen die Gewässer rund um die Insel. Überschattet wird das Naturerlebnis jedoch durch den Walfang, der teilweise mitten in wichtigen Walbeobachtungsgebieten betrieben wird. Die besorgten Reiseveranstalter erwarten negative Auswirkungen auf den Tourismus, sollte der Walfang nicht eingestellt werden. Island ist aufgerufen, an der derzeit stattfindenden Walfangkommissions-Tagung (IWC) in Anchorage ihre Haltung gegenüber den Walen zu überdenken.

Konfrontiert mit negativen Reaktionen seitens der Urlauber befürchten die Reiseveranstalter einen Imageverlust der seit Jahren sehr beliebten Reisedestination Island. Dies bringen sie in einer Stellungnahme gegenüber der isländischen Regierung zum Ausdruck und beziehen klar Position gegen den Walfang. Die Verantwortlichen in Island dürften davon nicht unberührt bleiben, denn die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2006 haben rund 89.000 Personen an Whale Watching-Touren teilgenommen und der Ökonomie auf der Insel in etwa 23 Millionen Euro Einnahmen eingebracht.

Gemäß einer Berechnung der beiden Walschutzorganisationen OceanCare und WDCS generiert eine einzige Walbeobachtungs-Tour mit nur neun Personen die gleichen Einnahmen wie die Tötung eines Zwergwales. Diese Walart, die sich besonders vertrauensvoll den Booten nähert, steht gleichzeitig im Fokus des Whale Watching wie im Visier der Jäger. Laut dem isländischen Marine Research Institute kommt es immer wieder zu Tötungen von Walen in Kerngebieten der Walbeobachtung.

Die Stellungnahme der europäischen Reiseveranstalter untermauert eine Resolution des Verbandes isländischer Reiseveranstalter. Im März 2007 wurde Islands Regierung darin aufgefordert, alle Walfangaktivitäten einzustellen, da diese das internationale Image von Island schädigen. Ein Image, demnach Island Natur und Tiere "schützt und verteidigt". Denn bereits 2003, als Island unter dem Deckmantel des "wissenschaftlichen Walfangs" wieder Wale zu töten begann, traten viele Touristen aus Europa und den USA von ihren Reiseplänen zurück. Als Island 2006 auch den kommerziellen Walfang wieder aufnahm, reduzierten sich die Buchungen kurzfristig um ganze 25 Prozent. Dieses Jahr hat die kommerzielle Jagd am 4. Mai 2007 erneut begonnen. Wie sich die Zahlen für die Tourismusbetriebe entwickeln, ist noch nicht absehbar.

Dass der Walfang isländischen Unternehmen jetzt und in Zukunft schadet, macht auch Islands größter Investmentkonzern, die Baugur Group, deutlich. Auf seiner Webseite distanziert sich der Konzern eindeutig von Islands Walfangaktivitäten (www.baugurgroup.com).

Will Island das Whale Watching wirklich zu Grabe tragen? Mit Fahrrad und Sarg umrundet der Abenteurer Bernhard Bechter derzeit die Insel und appelliert an die einheimische Bevölkerung, den weit verbreiteten Ruf des beliebten Reiselandes nicht zu gefährden und die Wale friedlich zu nutzen. Mit der symbolischen Aktion, die zeitgleich mit der Walfangkonferenz stattfindet, rufen OceanCare, WDCS und Globalance die isländische Regierung auf, den Walfang einzustellen. Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS, und Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, bringen die Situation auf den Punkt: "Die isländische Regierung muss sich entscheiden, denn die zwei Konzepte - Waltötung und die Faszination, lebende Wale zu beobachten - stehen in klarem Widerspruch". (28. Mai 2007)


Regierungschef Haarde gewinnt Parlamentswahlen

Darmstadt (Eldey.de) - Die Parlamentswahlen in Island hat der amtierende Ministerpräsident Geir Haarde gewonnen. Die konservative Unabhängigkeitspartei kam auf 36,6 Prozent der Stimmen und ist damit größte Partei im Parlament in Reykjavik. Sie konnte gegenüber der letzten Parlamentswahl 2,9 Prozentpunkte zulegen und besetzt in Zukunft 25 der insgesamt 63 Sitze im Parlament. Die Sozialdemokraten verloren 4,2 Prozentpunkte und sind mit 26,8 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft. Die Wahlbeteiligung lag bei 83,6 Prozent und damit 4,1 Prozent geringer, als noch vor vier Jahren. Insgesamt waren 221.000 Stimmberechtigte zur Wahl aufgerufen. (14. Mai 2007)


Norwegen übernimmt Schutzfunktion für Island

Darmstadt (Eldey.de) - Norwegen wird in Zukunft die militärische Schutzfunktion für Island übernehmen. Darauf einigten sich nach langen Verhandlungen die Regierungen in Reykjavik und Oslo. Zahlreiche Sicherheits-, Überwachungs- und Rettungsaufgaben werden daher nun an die norwegische Luftwaffe übergehen. Zur Überwachung der isländischen Küste hat Reykjavik zusätzlich eine Zusammenarbeit mit der dänischen Marine vereinbart. Ansonsten sieht die isländische Regierung weiterhin die NATO als verantwortlich für die Landesverteidigung.

Die von Norwegen übernommene Schutzfunktion hatten seit den 1950er Jahren die USA auf der Nordatlantik-Insel ausgeführt. Aus Kostengründen und aufgrund der gesunkenen, strategischen Bedeutung Islands seit Ende des Kalten Krieges, hatten die USA das eigene Militär im vergangenen Jahr komplett abgezogen. (25. April 2007)


Weniger Arbeitslose im ersten Quartal 2007

Darmstadt (Eldey.de) - Die Arbeitslosenquote lag in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei 2 Prozent. Dies teilte das Isländische Amt für Statistik in einer Pressemitteilung mit. Gegenüber des Vorjahreszeitraums ist die Zahl der Erwerbslosen damit um 0,4 Prozentpunkte gesunken. Dies entspricht etwa 3.500 Personen, von denen rund 40 Prozent weniger als einen Monat arbeitslos war. Die Gesamtzahl der Erwerbspersonen auf dem isländischen Arbeitsmarkt ist gegenüber 2006 um 9.300 Menschen gestiegen. (20. April 2007)


Islands Gletscher schmelzen in Rekordzeit

Darmstadt (Eldey.de) - Das Abschmelzen der isländischen Gletscher als Folge der globalen Erderwärmung scheint schneller voranzugehen, als bisher angenommen. Der Rückzug der Eismassen habe sich in den letzten Jahren enorm beschleunigt, sagte der Geologe Oddur Sigurdsson gegenüber dem isländischen Fernsehsender RÚV. Ursache hierfür seien die stetig wärmer werdenden Sommer, insbesondere in den vergangenen zehn Jahren, erklärte der Wissenschaftler. Seinen Untersuchungen zufolge könnten die Inlandeiskappen schon in 200 Jahren komplett verschwunden sein.

Sein französischer Kollege Jean-Marc Bouvier, der Studien am grönländischen Inlandeis durchgeführt hat, erklärte, dass nach vollständigem Abschmelzen der arktischen Gletscher der Meeresspiegel um neun Meter steigen würde. Weite Gebiete, die heute von Millionen von Menschen bewohnt sind, würden dann unter dem Meeresspiegel liegen. Beide Wissenschaftler sehen die Klimaerwärmung als eine meteorlogische Zeitbombe, die zum größten Problem in der Menschheitsgeschichte werden könnte. (12. April 2007)

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