Island-Nachrichten von Januar bis März 2009

Mehr Fluggäste bei Icelandair

Darmstadt (Eldey.de) - Trotz weltweiter Wirtschaftskrise und drohender Staatspleite in Island blickt die größte isländische Fluggesellschaft Icelandair optimistisch in die Zukunft. Bis heute verzeichnet die Airline ein Drittel mehr gebuchte Passagiere als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Im Vergleich zu 2008 seien bereits heute für die Sommermonate Mai bis September elf Prozent mehr Fluggäste auf Flügen zwischen Deutschland und Island registriert, berichtet die Gesellschaft. Vor allem aber auf den Umsteigeverbindungen nach Kanada seien die Passagierzahlen mit 27 Prozent Zuwachs besonders stark gestiegen.

Bereits im Winter konnte Icelandair seine Passagierzahlen zwischen Deutschland und Island um 37 Prozent auf rund 6.000 Reisende erhöhen. Als Grund für das Wachstum werden die vergleichsweise niedrige Isländische Krone (ISK) sowie die niedrigen Hotel- und Flugpreise genannt. (12. März 2009)


Mehr inländischer Tourismus erwartet

Darmstadt (Eldey.de) - Der Isländische Tourismusverband erwartet, dass Isländer in diesem Sommer verstärkt im eigenen Land verreisen werden. Dies sei angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeit zu erwarten, sagte dessen Sprecherin, María Gudmundsdóttir, gegenüber der Tageszeitung Fréttablaðið. Es sei daher jetzt wichtig, sich auf die höheren Touristenzahlen in diesem Jahr vorzubereiten. Auch Qualität und Service touristischer Leitungen sollen verbessert werden.

Der Verband schätzt, dass rund 38 Prozent der in der isländischen Touristik beschäftigten Arbeitnehmer keine Ausbildung im Umfeld des Fremdenverkehrs habe. Während eines Seminars im Grand Hotel in Reykjavik wird der Tourismusverband in dieser Woche daher ein Projekt vorstellen, das im Rahmen von Kursen die in der Touristik arbeitenden Isländer weiterbilden schulen soll. (25. Februar 2009)


Sieben-Punkte-Plan der Übergangsregierung

Koalition legt Wert auf mehr Demokratie

Chemnitz (ms) - Die Übergangsregierung aus Grünen und Sozialdemokraten in Island legte einen Sieben-Punkte-Plan für die Regierungszeit bis zum 25. April vor. Der ehrgeizige Plan beinhaltet Strategien, die dem Land aus der Misere helfen sollen. Darunter finden sich folgende Ziele:
  1. Mehr Demokratie, Gleichheit und Informationsfluss
  2. Wiederherstellung der Wirtschaft
  3. Neuordnung der Verwaltung
  4. Hilfeleistungen für isländische Haushälte
  5. Hilfeleistungen für den Arbeitsmarkt
  6. Hilfeleistungen für das Finanzwesen
  7. Europäische Kooperationen
Ob dieser Plan vollständig bis zum Termin der Neuwahlen erfüllt wird, bleibt fraglich, da die angstrebten Maßnahmen längere Wirkungszeit brauchen als knappe drei Monate. (08. Februar 2008)


Island erhöht Walfangquoten

Letzte Amtshandlung von Fischereiminister Gudfinsson

Chemnitz (ms). Letzten Mittwoch wurde bekannt, dass die alte isländische Regierung die Walfangquoten erhöhen wird. Das beschloss der scheidende Fischereiminister Einar Gudfinsson. In den nächsten vier Jahren sollen wieder vermehrt Finnwale und Nördliche Zwergwale abgeschossen werden. Insgesamt sollen 350 Tiere zum Fang freigegeben werden. Das sind knapp 90 Tiere pro Jahr.

Dieser Beschluss stieß auf harsche Kritik aus dem Ausland, aber auch in Island wurde darüber diskutiert. Die Isländische Reiseindustrie Gesellschaft (SAF) verurteilte Gudfinssons Entscheidung. Sie kritisierte, dass ein scheidender Minister einfach so die Walfangquote im Alleingang erhöhen kann, ohne dass er dazu das Kabinett fragt. Auch Nicolas Entrup von der Walschutzorganisation WDCS nannte die Entscheidung irrsinnig. "Sollte dies eventuell der Versuch sein, raschen Profit in Reaktion auf die weltweite Finanzkrise zu erzielen, fragt sich, wo denn der Markt für soviel Walfleisch sei. In Island mit Sicherheit nicht".

Es wurde auch bekannt, dass der isländische Walfänger Kristjan Loftsson, der regelmäßig Zwergwalfleisch nach Japan exportiert, zwei Walfangschiffe bereithält, um bei einer Fangquotenerhöhung sofort startklar zu sein. Fragt sich also, ob diese letzte Amtshandlung einzig und allein eine verzweifelte Entscheidung war, um die isländische Wirtschaft anzukurbeln.

Zum Glück ist die Übergangsregierung gegen die Walfangquote, vor allem die Grünen. Darum nimmt auch die SAF an, dass die Entscheidung von Gudfinsson rückgängig gemacht wird. (06. Februar 2009)


Island schließt Fremdenverkehrsamt in Deutschland

Darmstadt (Eldey.de) - Nach dem gerade noch verhinderten Staatsbankrott muss der isländische Staat Kosten einsparen. Dabei möchte die neue Regierung in Reykjavik den Rotstift auch bei den Fremdenverkehrsämtern ansetzen und einige der Tourismusbüros im Ausland schließen.

Betroffen sind voraussichtlich die Vertretungen in Neu-Isenburg bei Frankfurt und Kopenhagen. Dies teilte die Leiterin der isländischen Tourismusbehörde, Olöf Yrr Atladottir, im isländischen Rundfunk mit. Schon im April soll das dänische Büro seine Pforten schließen, während das Fremdenverkehrsamt in Neu-Isenburg noch bis Anfang Juli geöffnet bleiben soll. Eine Begründung dafür, weshalb ausgerechnet das Fremdenverkehrsamt in Deutschland schließen soll, wurde nicht gegeben. Deutsche gehören in Island nach den US-Amerikanern zu den Haupttouristen.

Atladottir betonte jedoch, dass die isländische Tourismusbehörde auch nach der Schließung der beiden Außenstellen effektiv arbeiten könne. Für die Vermarktung Islands als Reiseziel müssten dann andere Wege gefunden werden und einige Umstrukturierungen innerhalb der Behörde vorgenommen werden. (30. Januar 2009)


Regierungsrücktritt in Reykjavik

Sozialdemokratische Allianz bildet Übergangsregierung

Darmstadt (Eldey.de) - In den vergangenen Wochen wurde aus der isländischen Bevölkerung der Forderung nach einem Regierungsrücktritt immer heftiger. Hintergrund waren die in Island besonders massiven Folgen der Finanzkrise, für die auch die Große Koalition aufgrund ihrer Finanzpolitik mitverantwortlich gemacht wurde. Am Montag dieser Woche teilte Ministerpräsident Geir Haarde nun mit, dass die Zusammenarbeit zwischen seiner konservativen Unabhängigkeitspartei und den Sozialdemokraten umgehend beendet wird.

Island ist somit das erste Land, dessen Regierung im Zuge der Finanzkrise zurücktreten musste. Noch am selben Abend feierten zahlreiche Isländer in der Hauptstadt das Ausscheiden des ungeliebten Premiers Geir Haarde. Bereits am Sonntag war Handelsminister Bjorgvin Sigurdsson von seinem Amt zurückgetreten. Auch der Leiter der Finanzaufsicht war zugleich entlassen worden.

Präsident Ólafur Grímsson teilte in Reykjavik mit, dass die Sozialdemokraten den Auftrag zur Regierungsbildung erhielten und übergangsweise bis zu Neuwahlen im Amt bleiben solle. Voraussichtlich wird die bisherige Sozialministerin Jóhanna Sigurdardóttir neue Regierungschefin. Im Mai sollen die Isländer in vorgezogenen Wahlen über die neue Zusammensetzung des Althing, des isländischen Parlaments, abstimmen.

Die Finanzmarktkrise hatte Island im vergangenen Jahr besonders hart getroffen. Drei bedeutende Banken konnten nur durch Verstaatlichung vor dem Konkurs gerettet werden und die 320.000 Einwohner zählende Inselrepublik stand am Rande eines Staatsbankrott. Dieser konnte nur durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der skandinavischen Länder verhindert werden. (27. Januar 2009)


Hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Berufstätigen

Darmstadt (Eldey.de) - Die Arbeitslosigkeit unter jungen Berufstätigen ist im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise in Island stärker gestiegen, als unter älteren Menschen. Dies geht aus einem jüngst vorgelegten Bericht des isländischen Arbeitsamtes hervor. Personen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren mach dem zufolge 23 Prozent aller Erwerbslosen in Island aus. In Reykjavik waren Ende Dezember 700 junge Leute als arbeitslos registriert. In Gesamt-Island belief sich die Zahl auf rund 2.000 Personen. Aufgrund der anhaltenden Rezession wird in absehbarer Zeit nicht mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen gerechnet. (21. Januar 2009)


EU untersagt Euro-Einfühung in Island

Darmstadt (Eldey.de) - Im Zuge der Finanzkrise sind in den letzten Monaten die Stimmen für einen EU-Beitritt und die Einführung des Euro immer lauter geworden. Wie der finnische EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn in einem Interview mit der isländischen Tageszeitung Morgunblaðið jedoch erklärte, sei Island als "normal entwickelter Staat" gut beraten, von einer einseitigen Einführung des Euro als offizielles Zahlungsmittel abzusehen. Dies wurde von verschiedenen Seiten in Island bereits gefordert. "Wir würden die einseitige Einführung des Euro nicht akzeptieren", betonte Rehn. Zuerst müsse das wirtschaftlich stark angeschlagene Island der EU beitreten und die Maastrichter Stabilitätskriterien erfüllen. (19. Januar 2009)

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