Island-Nachrichten von Januar bis März 2010

Vulkan als Touristenattraktion

Darmstadt (Eldey.de) - Auch über eine Woche nach Beginn der Eruptionen am Fimmvörðuháls ist der Vulkan weiterhin aktiv. Am neunten Tag der Tätigkeiten schwächten sich die Ausbrüche kurzzeitig etwas ab. Doch schon am zehnten Tag verstärkten sich die Eruptionen und wurden begleitet von Erdbeben mit Stärken bis zu 2,5 auf der Richterskala. Dennoch scheint sich der Oberfläche des Geländes etwas abzusenken und die Eruptionen abzuschwächen. Dies sei jedoch kein Indikator für ein Ende der Aktivitäten, erklärte der Geophysiker Gunnar B. Gudmundsson gegenüber der Tageszeitung Morgunblaðið.

Das Naturspektakel hat sich indessen auch die Tourismusbranche zu Nutzen gemacht und wirbt mit Beobachtungstouren und Flügen im Umkreis des Eyajfallajökull und Myrdalsjökull. Bereits am ersten Wochenende nach Einsetzen der Eruptionen trafen mehrere Tausend Schaulustige in der Region in Südisland ein. Dies führte sogar zu ungewöhnlichen Verkehrsstaus. Als besondere Attraktion des Ausbruchs gilt der 200 Meter hohe Fall eines Lava-Stroms in die Hrunagil-Schlucht. Geologen waren jedoch vor giftigen Gasen im Bereich der Ausbruchsstelle. Auch sei der Aufstieg zum Fimmvörðuháls-Pass nur mit warmer Kleidung und guter Ausrüstung möglich. Rettungsmannschaften mussten bereits Touristen in Jeans und Lederjacke ausfliegen, die unterkühlt und mit Erfrierungen Erste Hilfe benötigten. (31. März 2010)


Island verbietet Striptease-Shows

Darmstadt (Eldey.de) - Das isländische Parlament in Reykjavik hat in der vergangenen Woche fast einstimmig ein Verbot von Striptease-Shows beschlossen. Nur zwei Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Das neue Gesetz verbietet es Betrieben von der Nacktheit ihrer Angestellten zu profitieren. Begründet wurde das Gesetz mit der Diskriminierung und Ausbeutung von vorrangig ausländischen Frauen, die in Island vor allem aus Armut tanzen müssten. Schon zuvor war Striptease in Island streng reguliert. Doch ab 1. Juli 2010 darf somit auch im letzten isländischen Club "Goldfinger" bei Reykjavik nicht mehr gestrippt werden. (30. März 2010)


Eruptionen am Eyjafallajökull weiten sich aus

Darmstadt (Eldey.de) - Auch einen Tag nach Beginn der Eruptionen einer Vulkanspalte am Rande des Eyjafallajökull im Bereich des Fimmvörduháls bleibt die Lage weiterhin "unsicher". Am Montagmorgen haben sich die Aktivitäten verstärkt und die Eruptionssäule erreichte eine Höhe von etwa vier Kilometern. Zudem verlängere sich die bisher ein Kilometer lange Spalte um 800 Meter in Richtung des Myrdalsjökull. Im Laufe des Tages stieg die Eruptionssäue auf acht Kilometer Höhe und färbte sich weiß. Dies deutet nach Angaben von Geologen auf einen höheren Wasserdampfgehalt hin. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Schmelzwasser vom Eyjafjallajökull in die vulkanisch aktive Zone eingedrungen ist. Die seismische Aktivität hat sich im Laufe des zweiten Tages der Eruptionsphase nicht erhöht.

Die Vulkanspalte hatte sich in der Nacht zum Sonntag am Rande des Eyjafallajökull unweit des beliebten Wanderwegs über den Fimmvörduháls geöffnet. Das letzte Mal war Eyjafallajökull von 1821 bis 1823 aktiv. Im Bereich des Fimmvörduháls hat es seit mehreren Tausend Jahren keine Eruptionen mehr gegeben. Viele der rund 600 evakuierten Anwohner konnten heute wieder in ihre Häuser zurückkehren. Auch der am Sonntag stillgelegte Flugverkehr konnte wieder aufgenommen werden. In der Region in Südisland bleibt der Ausnahmezustand weiterhin bestehen. Geologen halten weitere Eruptionen für möglich. Wie lange die Aktivitäten noch anhalten werden, ist zurzeit nicht vorherzusagen. (22. März 2010)


Vulkanausbruch am Fimmvörduháls

Darmstadt (Eldey.de) - Nach 187 Jahren ist im Gebiet des Eyjafjallajökull wieder ein Vulkan aktiv. Die Eruptionen begannen nach Angaben der isländischen Behörden in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr morgens. Die Vulkanaktivitäten erstrecken sich entlang einer ein Kilometer langen Spalte, berichteten Geologen nach den ersten Helikopterflügen in der Region. Zentrum des Ausbruch ist jedoch nicht wie zunächst befürchtet unter dem Gletscher, sondern weiter östlich im benachbarten Fimmvörduháls zwischen Eyjafjallajökull und Myrdalsjökull, ganz in der Nähe des beliebten Wanderweges. Die Gefahr für einen Gletscherlauf sei damit gebannt, hieß es in Medienberichten.

Trotzdem mussten mehr als 600 Anwohner ihre Häuser verlassen und wurden in Notunterkünften in Hella, Hvolsvöllur und Vik untergebracht. Der Evakuierungsplan sei sicherheitshalber in Kraft getreten, sagte Sigurgeir Gudmundsson von der isländischen Zivilschutzbehörde. Auch Straßen wurden nach Polizeiangaben gesperrt. Die hohe Sicherheitsstufe soll vorerst aufrechterhalten bleiben. Der gesamte Flugverkehr rund um Island wurde ebenfalls stillgelegt. Mittlerweile wurde der internationale Flugverkehr wieder aufgenommen. Lediglich inländische Flüge bleiben weiter gestrichen.

Wie lange die Eruptionen anhalten werden, können Geologen nicht voraussagen. Die Aktivitäten können sich von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren hinziehen. Derzeit sind die Eruptionen eher klein, könnten sich aber ausweiten. Der Ausbruch hat sich in den vergangenen Wochen durch Erdbeben mit Stärken bis 3,0 auf der Richterskala angekündigt.

Der letzte Ausbruch des Eyjafjallajökull geht auf das Jahr 1821 zurück und hielt zwei Jahre an. Am Fimmvördurháls gab es seit mehreren Tausend Jahren keine Eruptionen mehr. (21. März 2010)


Isländer lehnen Entschädigung für Icesave-Verluste ab

Darmstadt (Eldey.de) - Bei einer Volksabstimmung am vergangenen Wochenende haben sich über 93 Prozent der stimmberechtigten Isländer gegen Entschädigungszahlungen in Höhe von von insgesamt 3,9 Milliarden Euro an die Niederlande und Großbritannien ausgesprochen. Nur 1,8 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für die Entschädigungszahlungen. Die restlichen Stimmen waren ungültig.

Das Ergebnis des Referendums sei keine Überraschung, erklärte Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir nach der Abstimmung. Sie kündigte an, mit Großbritannien und den Niederlanden nach einer günstigeren Lösung zu suchen. Beide Länder haben Island inzwischen die Bereitschaft zu neuen Verhandlungen über die Milliardenschulden signalisiert.

Nach dem Zusammenbruch der isländischen Landsbanki mit ihren so genannten Icesave-Konten im Oktober 2008 hatten die Regierungen der Niederlande und Großbritanniens ihre Landsleuten für den Verlust ihrer Spareinlagen entschädigt. Das isländische Parlament verabschiedete daraufhin im Dezember vergangenen Jahres mit knapper Mehrheit ein Gesetz zur schrittweisen Rückzahlung der Gelder an die Regierungen in London und Den Haag bis 2024. Nach massiven Protesten in der Bevölkerung wurde das Gesetz jedoch von Präsident Grímsson nicht unterzeichnet und ein Volksentscheid beschlossen.

Die Volksabstimmung an diesem Wochenende war der erste Volksentscheid in Island seit 1944. Damals wurde über die vollständige Unabhängigkeit von Dänemark und Ausrufung der Republik Island abgestimmt. (08. März 2010)


Auswanderungswelle aus Island

Darmstadt (Eldey.de) - Im Jahr 2009 verzeichnete Island die größte Auswanderungswelle seit über 120 Jahren. Rund 10.600 Menschen verließen die Nordatlantikinsel. Dem stehen ca. 5.800 Zuwanderer gegenüber. Diese Zahlen veröffentliche das Isländische Amt für Statistik in dieser Woche. Grund für die Auswanderungswelle seien die dramatischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und dem Zusammenbruch des isländischen Bankensystems entstanden waren. Ein großer Teil der Auswanderer seien jedoch nicht gebürtige Isländer, sondern Bürger ausländischer Herkunft, die auf der Suche nach mehr Lebenswohlstand zu wirtschaftlich besseren Zweiten nach Island gekommen waren. In absoluten Zahlen war jedoch der Strom an Einwanderern nicht niedriger als in früheren Jahren.

Eine im Verhältnis zur Einwohnerzahl Islands ähnlich große Auswanderungswelle fand zuletzt 1887 statt als etwa 2.200 Isländer nach Nordamerika auswanderten. Ein Grund war damals der Ausbruch der Askja im östlichen Hochland, bei dem 1885 der heutige Explosionskrater Viti entstanden ist. Der Ascheregen der Eruption hatten weite Teile des Weidelandes in Ostisland unfruchtbar gemacht und etwa 2.200 Menschen zum Auswandern nach Nordamerika bewegt. Zudem bewegten Armut und Ausbeutung der Landarbeiter viele Menschen zur Auswanderung in die Neue Welt. (20. Februar 2010)


Hallgrimskirkja erhält neue Eingangstür

Darmstadt (Eldey.de) - Eine neue Bronzetür ziert ab sofort den Eingangsbereich der Hallgrímskirkja in Reykjavik. Entworfen wurde sie von dem Künstler Leifur Breidfjörd, der bereits vor 25 Jahren mit der Gestaltung der Kirchenfenster beauftragt worden war. In Anlehnung an seine damaligen Ideen entwarf er eine Eingangstür, die in Einklang mit den Fenstern des Reykjaviker Wahrzeichens steht. Bei dem Werk handelt es sich um eine vierseitige Tür aus blauem Glas in deren Innenbereich sich ein Metalltor befindet. Besonders auffällig sei die Harmonie zwischen Kirchentür und Fenstern in der Abenddämmerung, schrieb die Tageszeitung Morgunblaðið. (03. Februar 2010)


Island holt bei Handball-EM Bronze

Darmstadt (Eldey.de) - Bei der Handball-EM der Herren in Österreich hat Island die Bronzemedaille gewonnen. Nach einer Niederlage im Halbfinale gegen Weltmeister Frankreich konnte sich die Mannschaft um Nationaltrainer Gudmundur Gudmundsson beim Spiel um den dritten Platz gegen Polen durchsetzen.

Ab Mitte der ersten Halbzeit sah Island zunächst wie der sichere Sieger aus, musste aber im zweiten Durchgang doch noch einmal zittern. Polen startete nach der Pause (18:10) eine furiose Aufholjagd und erzielte sechs Tore in Folge. Erst in der Schlussphase schaffte Island mit 29:26 die Entscheidung.

Bei ihrer Rückkehr nach Island wurde die isländische Nationalmannschaft in der Sporthalle Laugardalshöll in Reykjavik von über 1.000 begeisterten Fans empfangen. Auch Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir gratulierte den Spielern zu ihrem Erfolg. "Das ist ein neues Kapitel in der Handball-Geschichte Islands. Zwei Medaillen hintereinander hat es noch nie gegeben", sagte Trainer Gudmundsson gegenüber der Presse. Island hatte bereits 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking Silber geholt.

Im Finale der Handball-EM besiegte Frankreich den WM-Zweiten Kroatien mit 25:21 und bleibt damit nach Olympiasieg 2008 und dem WM-Titel 2009 ungeschlagen. (03. Februar 2010)


Islands Präsident blockiert Hilfe für Bankkunden

Darmstadt (Eldey.de) - Nachdem das isländische Parlament kurz vor Jahreswende die Rückzahlung von Milliarden-Schulden an die Niederlande und Großbritannien beschlossen hat, verhinderte Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson das Inkrafttreten aufgrund des großen Widerstands in der Bevölkerung zu Jahresbeginn. Nun sollen die Isländer bis Anfang März per Referendum über das Gesetz entscheiden. Mit neuen Verhandlungen über die milliardenschwere Entschädigung ausländischer Kunden der isländischen Pleite-Bank Icesave hofft die Regierung in Reykjavik, diesen Volksentscheid nun abzuwenden. Islands Außenminister Ossur Skarphedinsson sagte im Radiosender RÚV, er setzte auf neue Verhandlungen mit Regierungsvertretern von Großbritannien und den Niederlanden. (20. Januar 2010)


Steigende Arbeitslosigkeit

Darmstadt (Eldey.de) - Die Wirtschaftskrise macht sich deutlich auf Islands Arbeitsmarkt bemerkbar. Nach neuesten Schätzungen der isländischen Arbeitsagentur verlieren derzeit durchschnittlich 40 Arbeitnehmer ihre Beschäftigung. Aktuell beträgt die Arbeitslosenquote in Island mit 16.000 Arbeitslosen rund 8,1 Prozent. Der bisherige Spitzenwert von 9.1 Prozent (17.000 Erwerbslose) war im April vergangenen Jahres erreicht. Nachdem sich im Sommer eine Erholung auf dem Arbeitsmarkt abzeichnete, steigt die Arbeitslosenrate seit Herbst wieder an. Vor der Wirtschaftskrise waren in Island selten mehr als drei Prozent aller Erwerbspersonen ohne Beschäftigung. (18. Januar 2010)

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