Das Isländische Hochland
Kjölur
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Hveravellir
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Die Route über die Kjölur ist als Inlandspassage schon seit der Zeit der Besiedlung Islands bekannt. Der alte Reitweg „Kjalvegur” verläuft westlich der heutigen Straße
(F35). Im 19. Jahrhundert wäre diese Inlandspassage allerdings fast in Vergessenheit geraten, nachdem im Oktober 1780 ein Bauernsohn und ein Knecht
dort ums Leben kamen. Nach einer Schafseuche in Nordisland hatten sie im Südland 180 Schafe erworben, die sie noch vor dem Winter nach Hause in den
Norden treiben wollten. Eine Suchaktion im gleichen Herbst blieb ohne Erfolg. Erst im nächsten Frühjahr wurden an einem Hügel südlich von Hveravellir die Knochen
ihrer Pferde und der 180 Schafe gefunden. Seitdem heißt dieser Hügel Beinhóll (Knochenhügel). Heute steht hier ein Denkmal, das an dieses Unglück erinnert. Von
der Piste F35 lässt sich der Hügel nach sieben Kilometern Fußmarsch erreichen.
Der alte Kjalvegur wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem Islandfreund Daniel Bruun mit Steinwarten neu markiert. Von da
an war es möglich, das Hochland mit dem Pferd an vier Tagen auf relativ sichere Weise zu durchqueren. Heute sind entlang
der Jeeppiste F35 alle Flüsse überbrückt. Die südliche Hälfte ist landschaftlich zwar interessanter als der nördliche Teil, weist
aber auch mehr Schlaglöcher auf. Die nördliche Hälfte hat stellenweise „Ringstraßen-Qualität”.
Höhepunkt der knapp 190 km langen Hochlanddurchquerung ist Hveravellir. Dies
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Kerlingarfjöll
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ist eines der größten und schönsten Geothermalgebiete Islands und liegt etwa auf der Hälfte der Strecke. Nach einem
kurzen Fußmarsch gelangt man zu einer kleinen Höhle, in der der berühmte Geächtete Fjalla-Eyvindur im 18. Jahrhundert viele Jahre gelebt haben soll. Der
Besucher hat hier auch die Möglichkeit ein Bad in einer heißen Quelle zu nehmen.
Einen Abstecher zum Kerlingarfjöll - eine kleine Furt muss gequert werden - ist
äußerst empfehlenswert. In diesem Ryholithgebirge erwartet den Besucher eine atemberaubende Landschaft. Hier dampfen unterhalb einer Gletscherzunge
unzählige heiße Quellen. Im südlichen Teil der Kjölur-Route fährt man an dem 30 qkm großen Gletschersee Hvítárvatn vorbei. In ihn kalbt eine Gletscherzunge des Langjökull.
Missetäter-Wüste (Ódáðahraun)
Nördlich des Vatnajökull liegt Islands größtes zusammenhängendes Lavafeld - die Ódáðahraun. Diese ist auch bekannt als
die „Wüste der Missetäter” und umfasst eine Fläche von etwa 4.500 km², was annährend der Größe des Saarlands entspricht.
Hierher flüchteten im Mittelalter Gesetzlose, die beim Althing für vogelfrei erklärt worden waren. Der bekannteste Geächtete
war Fjalla-Eyvindur. 17 Jahre hat er mit seiner Frau im Hochland verbracht, bis er schließlich begnadigt wurde und in die
Gesellschaft zurückkehren durfte. Insbesondere Radfahrer und Wanderer sollten bei einer Durchquerung für ausreichend
Verpflegung und Getränke sorgen. Außerdem muss der Reisende in dieser Gegend stets mit heftigen Sand- und
Staubstürmen rechnen.
Askja und Herðubreið
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Die Caldera der Askja mit dem Explosionskrater
Vítí.
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Insbesondere Radfahrer sollten für ausreichend Verpflegung und Getränke sorgen, wenn sie sich in die Einöde im östlichen Hochland begeben. Zudem hat der Reisende im Umfeld der Missetäter-Wüste stets mit heftigen Sand- und
Staubstürmen zu rechnen. Vom Mývatn kommend müssen auf der westlichen Route zur Herðubreið und Askja zwei Flüsse gefurtet und ein Lavafeld auf vier Kilometern
Länge passiert werden. Die Furten auf der östlichen Jeeppiste zur Askja sind kleiner und auch die Straße ist einfacher zu befahren. Stellenweise ist sie
allerdings sehr sandig. Radfahrer kommen hier nur langsam voran.
Durch Geröllhalden und Mondlandschaften gelangt man zur großen Caldera Askja.
Dieser Vulkan war zum letzten Mal 1961 tätig; bei dem Ausbruch wurden 11 qkm Fläche von Lava bedeckt. Das 600 qkm große Dyngjufjöll-Massiv mit der Askja ist
rund 4.500 Jahre alt und ist durch zahlreiche solcher Vulkanausbrüche entstanden. Die Askja-Caldera selbst hat eine Ausbreitung von ca. 45 qkm groß.
Durch eine gewaltige Explosion wurde im Jahre 1875 der Vítí-Krater geboren. In Folge dieser Eruption senkte sich der Boden
südwestlich des Vítí weiter ab, füllte sich mit Wasser und bildete so den mit 217 Metern zweittiefsten See Islands - den
Öskjuvatn. Das sich angesammelte Wasser im Explosionskrater Vítí wird von heißen Quellen gewärmt und lädt daher zum
Baden ein. Der Abstieg zum Kratersee ist allerdings sehr steil und rutschig. Im Jahre 1907 ereignete sich in der Askja ein
Unglück. Der deutsche Geologe Walther von Knebel war mit seinem Studenten Hans Spethmann und seinem Freund und
Maler Max Rudloff hierher gereist, um das Vulkanmassiv zu erforschen. Seit dem 10. Juli jenen Jahres gelten Walther von
Knebel und Max Rudloff als vermisst. Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Vermutlich sind die beiden Forscher in dem See
Öskjuvatn bei ihren Messarbeiten ertrunken. Der See wird daher ihnen zu Ehren auch Knebel-See, und der Expolosionskrater
Vítí Rudloff-Krater genannt. Spethmann, der an jenem Tage an einer anderen Stelle des Dyngjufjöll-Gebiges forschte, war der
einzige Überlebende der dreiköpfigen Expedition. Eine Gedenktafel am Rande des Öskjuvatn erinnert an die Verunglückten.
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Der Tafelberg Herðubreið
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Auf dem Weg zurück zum Mývatn passiert der Reisende den wunderschönen Tafelberg Herðubreið (1.692 m), die Königin der isländischen Berge. In der
Götterlehre der Wikinger nahm man an, dass sich hier die Burg der Götter befinden
müsse. Dieser Teil des Hochlandes wirkt auf den Besucher wie eine Oase. Auch Wanderungen sind hier möglich. Den Versuch, die Herðubreið zu besteigen, sollte
man jedoch nur als geübter Bergsteiger wagen. Die Erstbesteigung dieses höchsten Tafelberges Islands gelang erst im Jahr 1908 durch den deutschen
Geologen Hans Reck und seinen isländischen Begleiter. Hans Reck war damals zusammen mit Ina von Grumbkow, der Verlobten des ums Leben gekommenen
Walther von Knebel, auf einer Expeditionsreise zur Askja, bei der sie auch nach Spuren der verschollenen deutschen Forscher suchten.
Kverkfjöll
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Eishöhle im Kverkfjöll-Massiv
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Von der Askja ist es nicht mehr weit bis zum Nordrand des Vatnajökull. Die
Schotterpiste ist jedoch recht mühsam zu befahren, auch wenn keine tiefen Furten gemeistert werden müssen. Im Vulkanmassiv Kverkfjöll können verschiedene
Wanderungen unternommen werden. Um zu den heißen Quellen zu kommen muss allerdings eine Gletscherzunge überquert werden, was nur bei gutem Wetter gewagt
werden sollte. Im Kverkfjöll-Gebiet haben heiße Quellen zahlreiche Eishöhlen unter dem Eis des Kverkjökull geschaffen. Ihr Zustand ändert sich jedoch regelmäßig, so
dass von einer Begehung der Höhlen abzuraten ist, da größere Eisblöcke von der Decke abbrechen können. Von Akureyri und Mývatn aus werden regelmäßig
dreitägige Touren zur Askja und Kverkfjöll angeboten. Übernachtet wird in einer Hütte oder auf dem Campingplatz.
Landmannalaugar
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Landmannalaugar
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Nördlich des Gletschers Mýrdalsjökull liegt ein Gebiet mit bunten Bergen, einem heißen Fluss und „den heißen Quellen der Leute vom Land” - so die Übersetzung
von Landmannalaugar. Viele Wanderwege durchziehen dieses 600 m hoch gelegene Rhyolithgebirge. Die rote Färbung der Berge weist auf einen hohen
Eisengehalt hin, gelb auf Schwefel und türkis auf Kieselsäure. Die Gegend ist eine der am häufigsten besuchten im isländischen Hochland. Selbst am frühen
morgen ist man beim Bad in einer heißen Quelle nicht ungestört.
Die nördliche Route nach Landmannalaugar kann problemlos mit einem Geländewagen oder Fahrrad bewältigt werden. Von Süden kommend muss der
Reisende mehrere Furten durchqueren. Der Bach kurz vor dem Campingplatz in Landmannalaugar ist stellenweise sehr tief (bis 80 cm) und kann oft nur von
großen Fahrzeugen gefurtet werden. In dieser Region lassen sich viele Wanderungen mit den unterschiedlichsten Gehzeiten unternehmen. Auch die beliebteste mehrtägige Wanderung über den Laugarvegur beginnt in Landmannalaugar und führt in vier Tagesetappen nach Þórsmörk. Übernachtet werden kann in Hütten
des isländischen Wandervereins. Eine Vorausbuchung ist dringend zu empfehlen.
Eldgjá
Fährt man von Landmannalaugar aus in Richtung Süden gelangt man über eine Stichstraße zur Vulkanspalte Eldgjá. Mit
Unterbrechungen ist diese 30 km lang und damit die längste vulkanische Spalte der Erde. Der Ausbruch fand im Jahr 934 statt
, bei dem schätzungsweise 9.000 Kubikmeter Lava ausflossen und sich auf einer Fläche von 900 qkm verteilte (Eldhraun).
Diese Zahlen sind allerdings noch umstritten, da ein großer Teil der Auswurfmassen von späteren Vulkanausbrüchen,
insbesondere dem der Laki-Spalte (1783/84) überdeckt wurden. Sehenswert ist der Wasserfall Ófærufoss. Eine Basaltbrücke
überspannte bis 1993 die mittlere Stufe des Wasserfalls. Sie ist inzwischen leider eingestürzt.
Laki-Krater
Von der Ringstraße an der Südküste führt unweit des Ortes Kirkjubærklaustur eine Hochlandpiste zu den Vulkankratern
Lakagígar (Laki-Krater) ab. Diese befinden sich zwischen den Gletschern Mýrdalsjökull und Vatnajökull. Die etwa 40 Kilometer
lange Straße ist im Sommer für hochlandtaugliche Fahrzeuge geöffnet. Die Laki-Krater entstanden bei mehreren, sehr
lavareichen Eruptionen in den Jahren 1783/84, bei denen zeitweise über 100 Krater gleichzeitig aktiv waren. Dieser
lavareichste Vulkanausbruch in historischer Zeit hatte katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die bei den
Eruptionen freigesetzten Gase verseuchten weite Teile des fruchtbaren Südlandes. Tausende von Nutz- und Weidetieren
verendeten, worauf unter der Bevölkerung eine große Hungersnot einsetzte. Rund 20 Prozent der Bevölkerung - damals etwa
10.000 Menschen - starben den Hungertod, so dass der dänische König sogar erwägte, Island zu evakuieren und die Insel aufzugeben.
Der Ausbruch hatte auch Konsequenzen im übrigen Europa und in Nordafrika. Als klimatische Folge der Eruption kühlte sich
die Temperatur auf der Nordhalbkugel um ein bis drei Grad Celsius ab. Vor allem der Winter 1783/84 war außergewöhnlich
kalt. Nach heutigen Schätzungen könnten damals auch in Frankreich und England jeweils rund 16.000 bis 20.000 Menschen
an den eingetretenen Luftverschmutzungen und extremen Temperaturen gestorben sein. Im Jahr 1783 und im Winter 1783/84
war die Sterblichkeitsrate allein in diesen beiden Ländern um etwa 25 Prozent erhöht, wie damalige Berichte angaben.
Aufgrund der niedrigeren Temperaturen nahmen auch die Pegelstände des Nils Tiefstwerte an, woraus eine große
Hungersnot folgte und 17 Prozent der Bevölkerung im Einzugsgebiet des längsten Flusses Afrikas starben.
Heute reihen sich rund 130 Krater auf einer Strecke von 25 Kilometern wie an einer Perlenkette aneinander. Diese Krater
lassen sich in einem Tagesausflug von Kirkjubærklaustur mit dem Geländewagen oder mit dem Bus besuchen.
Bildergalerie 6: Das Hochland

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