Das Isländische Hochland

Das isländische Hochland im Landesinneren ist gänzlich unbewohnt und kann meist nur in den Sommermonaten bereist werden. Unter sehr guten Witterungsbedingungen ist die Fahrt auf einigen Strecken zwar auch mit einem normalen Pkw möglich, jedoch nicht zu empfehlen. Vor allem wer mit einem Mietwagen unterwegs ist, sollte sich vor Anmietung für einen geeigneten Geländewagen entscheiden, da bei einem normalen Pkw die Versicherung nicht für Schäden aufkommt. Zum befahren der Hochlandpisten sollte man auf einen Geländewagen also nicht verzichten, zumal auf einigen Strecken auch Bäche und kleinere Flüsse gefurtet werden müssen.

Entsprechend anspruchsvoll ist auch die Fahrt übers Hochland mit dem Fahrrad. In einigen Gegenden gibt es Schutzhütten und Übernachtungsmöglichkeiten, die gerne von Wanderern genutzt werden. Eine Voranmeldung ist dringend zu empfehlen. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen einige Highlights des isländischen Hochlands vor. Weitere Fotos mit Informationen zu Sehenswürdigkeiten finden Sie in unserer Bildergalerie über das Hochland.

Hochland
Islands Hochland

Kjölur

Hveravellir
Hveravellir

Die Route über die Kjölur ist als Inlandspassage schon seit der Zeit der Besiedlung Islands bekannt. Der alte Reitweg Kjalvegur verläuft westlich der heutigen Straße (F35). Im 19. Jahrhundert wäre diese Inlandspassage allerdings fast in Vergessenheit geraten, nachdem im Oktober 1780 ein Bauernsohn und ein Knecht dort ums Leben kamen. Nach einer Schafseuche in Nordisland hatten sie im Südland 180 Schafe erworben, die sie noch vor dem Winter nach Hause in den Norden treiben wollten. Eine Suchaktion im gleichen Herbst blieb ohne Erfolg. Erst im nächsten Frühjahr wurden an einem Hügel südlich von Hveravellir die Knochen ihrer Pferde und der 180 Schafe gefunden. Seitdem heißt dieser Hügel Beinhóll (Knochenhügel). Heute steht hier ein Denkmal, das an dieses Unglück erinnert. Von der Piste F35 lässt sich der Hügel nach sieben Kilometern Fußmarsch erreichen.

Der alte Kjalvegur wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem Islandfreund Daniel Bruun mit Steinwarten neu markiert. Von da an war es möglich, das Hochland mit dem Pferd an vier Tagen auf relativ sichere Weise zu durchqueren. Heute sind entlang der Jeeppiste F35 alle Flüsse überbrückt. Die südliche Hälfte ist landschaftlich zwar interessanter als der nördliche Teil, weist aber auch mehr Schlaglöcher auf. Die nördliche Hälfte ist deutlich einfacher zu befahren und hat stellenweise Ringstraßen-Qualität.

Kerlingarfjöll
Kerlingarfjöll

Höhepunkt der knapp 190 km langen Hochlanddurchquerung ist Hveravellir. Dies ist eines der größten und schönsten Geothermalgebiete Islands und liegt etwa auf der Hälfte der Strecke. Nach einem kurzen Fußmarsch gelangt man zu einer kleinen Höhle, in der der berühmte Geächtete Fjalla-Eyvindur im 18. Jahrhundert viele Jahre gelebt haben soll. Der Besucher hat hier auch die Möglichkeit ein Bad in einer heißen Quelle zu nehmen.

Einen Abstecher zum Kerlingarfjöll - eine kleine Furt muss gequert werden - ist äußerst empfehlenswert. In diesem Ryholithgebirge erwartet den Besucher eine atemberaubende Landschaft. Hier dampfen unterhalb einer Gletscherzunge unzählige heiße Quellen. Im südlichen Teil der Kjölur-Route fährt man an dem 30 qkm großen Gletschersee Hvítárvatn vorbei. In ihn kalbt eine Gletscherzunge des Langjökull.

Missetäter-Wüste (Ódáðahraun)

Nördlich des Vatnajökull liegt Islands größtes zusammenhängendes Lavafeld - die Ódáðahraun. Diese ist auch bekannt als die "Wüste der Missetäter" und umfasst eine Fläche von etwa 4.500 km², was annährend der Größe des Saarlands entspricht. Hierher flüchteten im Mittelalter Gesetzlose, die beim Althing für vogelfrei erklärt worden waren. Der bekannteste Geächtete war Fjalla-Eyvindur. 17 Jahre hat er mit seiner Frau im Hochland verbracht, bis er schließlich begnadigt wurde und in die Gesellschaft zurückkehren durfte. Insbesondere Radfahrer und Wanderer sollten bei einer Durchquerung für ausreichend Verpflegung und Getränke sorgen. Außerdem muss der Reisende in dieser Gegend stets mit heftigen Sand- und Staubstürmen rechnen.

Askja und Herðubreið

Herðubreið
Der Tafelberg Herðubreið

Insbesondere Radfahrer sollten für ausreichend Verpflegung und Getränke sorgen, wenn sie sich in die Einöde im östlichen Hochland begeben. Zudem hat der Reisende im Umfeld der Missetäter-Wüste stets mit heftigen Sand- und Staubstürmen zu rechnen. Vom Mývatn kommend müssen auf der westlichen Route zur Herðubreið und Askja zwei Flüsse gefurtet und ein Lavafeld auf vier Kilometern Länge passiert werden. Die Furten auf der östlichen Jeeppiste zur Askja sind kleiner und auch die Straße ist einfacher zu befahren. Stellenweise ist sie allerdings sehr sandig. Radfahrer kommen hier nur langsam voran.

Auf dem Weg vom Mývatn nach Süden passiert der Reisende zunächst den wunderschönen Tafelberg Herðubreið (1.692 m), die Königin der isländischen Berge. In der Götterlehre der Wikinger nahm man an, dass sich hier die Burg der Götter befinden müsse. Dieser Teil des Hochlandes wirkt auf den Besucher wie eine Oase. Auch Wanderungen sind hier möglich. Den Versuch, die Herðubreið zu besteigen, sollte man jedoch nur als geübter Bergsteiger wagen. Die Erstbesteigung dieses höchsten Tafelberges Islands gelang erst im Jahr 1908 durch den deutschen Geologen Hans Reck und seinem isländischen Begleiter.

Askja
Die Caldera der Askja mit dem
Explosionskrater Vítí.

Durch Geröllhalden und Mondlandschaften gelangt man zur großen Caldera Askja. Dieser Vulkan war zum letzten Mal 1961 tätig; bei dem Ausbruch wurden 11 qkm Fläche von Lava bedeckt. Das 600 qkm große Dyngjufjöll-Massiv mit der Askja ist rund 4.500 Jahre alt und ist durch zahlreiche solcher Vulkanausbrüche entstanden. Die Askja-Caldera selbst hat eine Ausbreitung von ca. 45 qkm groß.

Durch eine gewaltige Explosion wurde im Jahre 1875 der Vítí-Krater geboren. In Folge dieser Eruption senkte sich der Boden südwestlich des Vítí weiter ab, füllte sich mit Wasser und bildete so den mit 217 Metern zweittiefsten See Islands - den Öskjuvatn. Das sich angesammelte Wasser im Explosionskrater Vítí wird von heißen Quellen gewärmt und lädt daher zum Baden ein. Der Abstieg zum Kratersee ist allerdings sehr steil und rutschig.

Im Jahre 1907 ereignete sich in der Askja ein Unglück, an das bis heute eine Gedenktafel am Rande des Öskjavatn erinnert. Der deutsche Geologe Walther von Knebel war mit seinem Studenten Hans Spethmann und seinem Freund und Maler Max Rudloff hierher gereist, um das Vulkanmassiv zu erforschen. Seit dem 10. Juli jenen Jahres gelten Walther von Knebel und Max Rudloff als vermisst. Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Vermutlich sind die beiden Forscher in dem See Öskjuvatn bei ihren Messarbeiten ertrunken. Der See wird daher ihnen zu Ehren auch Knebel-See, und der Expolosionskrater Vítí Rudloff-Krater genannt. Spethmann, der an jenem Tage an einer anderen Stelle des Dyngjufjöll-Gebiges forschte, war der einzige Überlebende der dreiköpfigen Expedition. Im darauf folgenden Sommer unternahm der deutsche Geologe Hans Reck zusammen mit Ina von Grumbkow - der Verlobten von Walther von Knebel - eine Expeditionsreise zur Asjka, um nach Spuren der Verschollenen zu suchen. Auf dem Weg zur Asjka gelang Reck auch die Erstbesteigung der oben erwähnten Herðurbreið.

Kverkfjöll

Kverkfjöll
Eishöhle im Kverkfjöll-Massiv

Von der Askja ist es nicht mehr weit bis zum Nordrand des Vatnajökull. Die Schotterpiste ist jedoch recht mühsam zu befahren, auch wenn keine tiefen Furten gemeistert werden müssen. Im Vulkanmassiv Kverkfjöll können verschiedene Wanderungen unternommen werden. Um zu den heißen Quellen zu kommen muss allerdings eine Gletscherzunge überquert werden, was nur bei gutem Wetter gewagt werden sollte. Im Kverkfjöll-Gebiet haben heiße Quellen zahlreiche Eishöhlen unter dem Eis des Kverkjökull geschaffen. Ihr Zustand ändert sich jedoch regelmäßig, so dass von einer Begehung der Höhlen abzuraten ist, da größere Eisblöcke von der Decke abbrechen können. Von Akureyri und Mývatn aus werden regelmäßig dreitägige Touren zur Askja und Kverkfjöll angeboten. Übernachtet wird in einer Hütte oder auf dem Campingplatz.

Landmannalaugar

Nördlich des Gletschers Mýrdalsjökull liegt ein Gebiet mit bunten Bergen, einem heißen Fluss und "den heißen Quellen der Leute vom Land" - so die Übersetzung von Landmannalaugar. Viele Wanderwege durchziehen dieses 600 m hoch gelegene Rhyolithgebirge. Die rote Färbung der Berge weist auf einen hohen Eisengehalt hin, gelb auf Schwefel und türkis auf Kieselsäure. Die Gegend ist eine der am häufigsten besuchten im isländischen Hochland. Selbst am frühen morgen ist man beim Bad in einer heißen Quelle nicht ungestört.

Landmannalaugar
Landmannalaugar

Die nördliche Route nach Landmannalaugar kann problemlos mit einem Geländewagen oder Fahrrad bewältigt werden. Von Süden kommend muss der Reisende mehrere Furten durchqueren. Der Bach kurz vor dem Campingplatz in Landmannalaugar ist stellenweise sehr tief (bis 80 cm) und kann oft nur von großen Fahrzeugen gefurtet werden. In dieser Region lassen sich viele Wanderungen mit den unterschiedlichsten Gehzeiten unternehmen. Auch die beliebteste mehrtägige Wanderung über den Laugarvegur beginnt in Landmannalaugar und führt in vier Tagesetappen nach Þórsmörk. Übernachtet werden kann in Hütten des isländischen Wandervereins. Eine Vorausbuchung ist dringend zu empfehlen.

Eldgjá

Fährt man von Landmannalaugar aus in Richtung Süden gelangt man über eine Stichstraße zur Vulkanspalte Eldgjá. Mit Unterbrechungen ist diese 30 km lang und damit die längste vulkanische Spalte der Erde. Der Ausbruch fand im Jahr 934 statt, bei dem schätzungsweise 9.000 Kubikmeter Lava ausflossen und sich auf einer Fläche von 900 qkm verteilte (Eldhraun). Diese Zahlen sind allerdings noch umstritten, da ein großer Teil der Auswurfmassen von späteren Vulkanausbrüchen, insbesondere dem der Laki-Spalte (1783/84) überdeckt wurden. Sehenswert ist der Wasserfall Ófærufoss. Eine Basaltbrücke überspannte bis 1993 die mittlere Stufe des Wasserfalls. Sie ist inzwischen leider eingestürzt.

Laki-Krater

Von der Ringstraße an der Südküste führt unweit des Ortes Kirkjubærklaustur eine Hochlandpiste zu den Vulkankratern Lakagígar (Laki-Krater) ab. Diese befinden sich zwischen den Gletschern Mýrdalsjökull und Vatnajökull. Die etwa 40 Kilometer lange Straße ist im Sommer für hochlandtaugliche Fahrzeuge geöffnet. Die Laki-Krater entstanden bei mehreren, sehr lavareichen Eruptionen in den Jahren 1783/84, bei denen zeitweise über 100 Krater gleichzeitig aktiv waren. Dieser lavareichste Vulkanausbruch in historischer Zeit hatte katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die bei den Eruptionen freigesetzten Gase verseuchten weite Teile des fruchtbaren Südlandes. Tausende von Nutz- und Weidetieren verendeten, worauf unter der Bevölkerung eine große Hungersnot einsetzte. Rund 20 Prozent der Bevölkerung - damals etwa 10.000 Menschen - starben den Hungertod, so dass der dänische König sogar erwägte, Island zu evakuieren und die Insel aufzugeben.

Der Ausbruch hatte auch Konsequenzen im übrigen Europa und in Nordafrika. Als klimatische Folge der Eruption kühlte sich die Temperatur auf der Nordhalbkugel um ein bis drei Grad Celsius ab. Vor allem der Winter 1783/84 war außergewöhnlich kalt. Nach heutigen Schätzungen könnten damals auch in Frankreich und England jeweils rund 16.000 bis 20.000 Menschen an den eingetretenen Luftverschmutzungen und extremen Temperaturen gestorben sein. Im Jahr 1783 und im Winter 1783/84 war die Sterblichkeitsrate allein in diesen beiden Ländern um etwa 25 Prozent erhöht, wie damalige Berichte angaben. Aufgrund der niedrigeren Temperaturen nahmen auch die Pegelstände des Nils Tiefstwerte an, woraus eine große Hungersnot folgte und 17 Prozent der Bevölkerung im Einzugsgebiet des längsten Flusses Afrikas starben.

Heute reihen sich rund 130 Krater auf einer Strecke von 25 Kilometern wie an einer Perlenkette aneinander. Diese Krater lassen sich in einem Tagesausflug von Kirkjubærklaustur mit dem Geländewagen oder mit dem Bus besuchen.


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