Sehenswürdigkeiten in Nordisland

In Nordisland leben rund 36.000 Menschen, davon 18.000 in Akureyri, der viertgrößten Stadt Islands.

Der größte Touristenmagnet im Norden Islands befindet sich rund um den See Myvatn. Doch auch Akureyri und einige Landesteile westlich der nordisländischen "Metropole" gilt es hier zu entdecken. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen einige Highlights in Nordisland vor. Weitere Fotos mit Informationen zu Sehenswürdigkeiten und anderen Attraktionen finden Sie in unsereren Bildergalerien Nordostisland und Nordwestisland.

Nordisland
Nordisland

Rund um den Mývatn

Myvatn
Der See Mývatn

Das Gebiet um den See Mývatn gilt als der sonnigste Platz Islands und ist bekannt für seine reiche Vogelwelt. Die vielen Mücken, die dem See seinen Namen gaben, sind für Fische und Vögel eine willkommene Beute. Auch der Besucher des idyllischen Sees bekommt die vielen Plagegeister durchaus zu spüren. Zwar stechen die Insekten nicht, doch haben sie den unabwendbaren Drang, in alle Löcher hineinzukriechen, die sie finden können! An bestimmten Orten und Zeiten ist es daher durchaus sinnvoll, ein Fliegennetz um den Kopf zu tragen.

Der Mückensee entstand vor ca. 3.800 Jahren. Aber erst durch einen Vulkanausbruch vor etwa 2.000 Jahren (jüngere Laxálava) erhielt der 37 qkm große See sein heutiges Aussehen. Auffallend sind die südöstlich des Sees gelegenen Pseudokrater. Sie haben keine Verbindung zu einer Magmakammer, sondern entstanden, als heiße Lava über ein Feutgebiet floss. Das unter der Lava liegende, gasförmige Wasser entwich, indem es die Lava explosionsartig nach oben drückte. Auf diese Weise türmten sich kleine Krater auf.

Dimmuborgir
Dimmuborgir

Begibt man sich von den Pseudokratern weiter nördlich, erreicht man nach einigen Kilometern das ebenfalls lohnende Ausflugsziel Dimmuborgir. Diese Gesteinsformationen entstanden vor rund 2.000 Jahren, als ein natürlicher Damm einen Lavastrom stoppte. Einige Stellen des Lavastroms kühlten ab und erstarrten in bizarren Formen. Als der Damm brach und die noch flüssige Lava entweichen konnte, blieben diese eigenartigen Lavaformationen zurück - Dimmuborgir, die "Düsteren Burgen".

Etwa 500 Jahre vor dem Ausfließen der jüngeren Laxálaven entstand in einer einzigen Explosion der östlich des Mývatn gelegene Aschekrater Hverfjall. Er erhebt sich 150 bis 200 Meter über die Ebene und ist der wohl markanteste Berg im näheren Umfeld des Sees. Eine kleine Wanderung führt auf den Kraterrand hinauf. Von dort hat man einen guten Blick auf den 140 Meter tiefen und rund ein Kilometer breiten Krater. Bei gutem Wetter hat man auch eine schöne Aussicht auf das Mývatn-Gebiet und bis hin zum Vulkanmassiv der Krafla.

Die Caldera der Krafla (818 m) mit seinem Explosionskrater Vítí liegt nur wenige Kilometer vom See entfernt. Die Krafla-Region ist von einem vulkanischen Spaltenschwarm durchzogen, der in den 1970er und 80er Jahren Schlagzeilen machte. Über neun Jahre hinweg ereigneten sich mehrere Eruptionen, die als die Krafla-Feuer in die isländische Geschichte eingingen. Schon in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts wurden durch die Explosion des Vítí-Kraters die so genannten Mývatn-Feuer (1724-1729 und 1746) eingeleitet.

Etwas weiter östlich des Vítí erstreckt sich der rabenschwarze Lavastrom der zuvor erwähnten Krafla-Feuer aus dem 20. Jahrhundert. Bei einem etwa einstündigen Spaziergang um den Gipfel des Leirhnjukur kann dieses Lavafeld besucht werden. Der Weg führt auch an einigen Solfataren vorbei.

Námafjall
Solfataren am Námafjall

Fährt man vom Mývatn in nordwestliche Richtung, vorbei an der Kieselgurfabrik, stößt man nach einem Bergkamm auf Námaskjað, eines der größten Solfatarenfelder Islands. Heiße Quellen und brodelnde Schlammtöpfe lassen sich hier bewundern. Im 18. Jh. wurde an dieser Stelle Schwefel abgebaut, der nach Dänemark exportiert und zu Schießpulver verarbeitet wurde. Zu jener Zeit stand Dänemark im Krieg mit Schweden.

Auf der Westseite des Mývatn lassen sich besonders gut Vögel beobachten, denn die gesamte Uferzone nordwestlich des Sees wurde zum Vogelschutzgebiet erklärt. Der Mývatn ist besonders für seine vielen Enten bekannt. Alle auf Island vorkommenden Arten brühten in dieser Region. Wer einen schönen Ausblick auf die gesamte Mývatn-Region genießen möchte, der kann den am Westrand des Vogelschutzgebietes liegenden Berg Vindbelgjarfjall erwandern. Der Wanderweg beginnt an der Straße bei Vagnbrekka.

Dettifoss

Dettifoss
Dettifoss

Der Gletscherfluß Jökulsá á Fjöllum, vom Vatnajökull kommend, bildet auf seinem Weg nach Norden mehrere Wasserfälle und eine cañonartige Schlucht. Der bekannteste Wasserfall an diesem Gletscherfluss ist der 44 m hohe Dettifoss. Mit einer durchschnittlichen Wassermenge von 200 m³/s gilt er als der mächtigste Wasserfall Europas. Im Sommer erreicht der Fluss jedoch eine Wassermenge von über 1.500 m³/s. An dem stark graugefärbten Gletscherwasser erkennt man die enorme Menge an Sedimenten, die der Fluss mit sich führt. Pro Stunde transportiert er rund 120 t Schutt. Einige Hundert Meter weiter flussaufwärts befindet sich der kleinere, aber sehr schöne Wasserfall Selfoss. Beide Wasserfälle können sowohl von der Ost- als auch der Westseite des Flusses besucht werden. Die Straße westlich des Flusses ist jedoch auf einigen Streckenabschnitten nur von Allradfahrzeugen befahrbar.

Ásbyrgi

Ásbyrgi
Der Canyon Ásbyrgi

Nördlich des Dettifoss liegt die 3,5 Kilometer lange, hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi. Einer Überlieferung zufolge handelt es sich hierbei um den Hufabdruck von Odins achtbeinigem Pferd Sleipnir. Tatsächlich aber wurde dieser Cañon von Schmelzwassern zweier Flüsse gebildet, die die beiden nördlichen Schluchten formten. Mit fortschreitender Erosion verlagerten die Flüsse ihre Position nach Süden und bündelten sich zu einem großen Strom, wodurch die bereits entstandenen Schluchten verbunden wurden. Im südlichen Teil von Ásbyrgi fiel daher noch vor rund 2.000 Jahren ein Wasserfall über die bis zu 100 Meter hohen, senkrechten Felswände und formte die nun hufeisenförmige Schlucht weiter aus. Ásbyrgi liegt heute relativ geschützt und bietet dem Besucher eine üppige Vegetation. Vom südlichen Zeltplatz aus lässt sich der Felskeil Eyjan auf einem Pfad ersteigen.

Húsavík

Husavik
Húsavik

Im Jahre 850 n. Chr. überwinterte in dieser Bucht auf der Halbinsel Tjörnes der schwedische Wikinger Garðar Svavarsson, der hier das erste Haus auf Island erbaute - daher auch der Name Húsavík (Hausbucht). Bei seiner Abreise ließ er einen Begleiter und zwei Sklaven zurück. Aufgrund der Unfreiwilligkeit des Aufenthalts und ihrer zur jener Zeit gesellschaftlich weniger geachteten Position gelten diese jedoch nicht als die ersten Siedler Islands.

Húsavík ist ein altes Handelszentrum, in dem 1882 die erste Genossenschaft des Landes gegründet wurde. Heute zählt der Ort rund 2.500 Einwohner. Auffallend ist die 1907 fertiggestellte, zweigeschossige Húsavikurkirkja, die Kirche, die sich durch ihr grünes Dach und dem viereckigen, 26 m hohen Glockenturm von den traditionell kleinen isländischen Kirchen unterscheidet. Das Gotteshaus bietet Sitzplätze für 450 Personen. Seit 1982 steht die Kirche unter Denkmalschutz.

Sehenswert ist auch das hiesige Heimatmuseum. Zu den wertvollsten Exponaten zählt eine Reproduktion der Gudbrandur-Bibel von 1584. Außerdem ist hier ein ausgestopfter Eisbär zu sehen, der 1969 mit einer Eisscholle von Grönland nach Island trieb und auf der Insel Grimsey abgeschossen wurde. Ein Besuch des Wal-Museums ist ebenfalls lohnenswert. Dort erfährt der Besucher vieles über die um Island lebenden Meeressäuger. Dass dieses Museum in Húsavík eingerichtet wurde, hat seinen Grund. Der Ort hat sich in den letzten Jahren mit Bootsfahrten zur Walbeobachtung einen Namen gemacht. Bei über 98% dieser Ausfahrten werden Wale und Delphine gesichtet. Inzwischen zählt Húsavík zu den großen europäischen "Metropolen" der Walbeobachtung.

Goðafoss

Direkt an der Ringstraße zwischen Mývatn und Akureyrí stürzt der Goðafoss zwölf Meter in die Tiefe. Seinen Namen verdankt der Wasserfall dem Goden und Gesetzessprecher Thorgeir, der bei der alljährlichen Versammlung in Thingvellir im Jahre 1000 für die Einführung des Christlichen Glaubens stimmte. Nach der durchgesetzten Christianisierung der isländischen Bevölkerung warf Thorgeir seine alten Götter- und Götzenbilder in die Fluten des Wasserfalls. Der Goðafoss zählt zu den schönsten Wasserfällen Islands.

Akureyri

Akureyrí ist die viertgrößte Stadt Islands und die einzige Metropole außerhalb des Großraums Reykjavík. Die "Hauptstadt des Nordens", wie sie auch gelegentlich genannt wird, ist Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum Nordislands. Obwohl hier nur etwa 16.000 Menschen wohnen, bietet sie eine Infrastruktur, die in einer ähnlich großen Stadt in Mitteleuropa wohl nicht zu finden ist. In den 1980er Jahren wurde in Akureyri beispielsweise die zweite Universität des Landes errichtet.

Zu Beginn des 20. Jh. hatte die Stadt nur 1.300 Einwohner. Nach Gründung einer Handelsgesellschaft (KEA) im Jahr 1886 gewann Akureyrí an Bedeutung. Sehenswert ist die 1940 eingeweihte Kirche. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde zu Ehren Matthías Jochumssons errichtet - ein Pfarrer und Dichter, von dem auch der Text der isländischen Nationalhymne stammt. Außerdem sehenswert ist der 1912 gegründete Botanische Garten. Hier sind nahezu alle auf Island heimischen und zahlreiche ausländische Pflanzenarten vertreten.

Halbinsel Vatnsnes

Ein Abstecher von der Ringstraße führt zur Halbinsel Vatnsnes, die ein Stück in die Húnafloi-Bucht hinein ragt. Sie lässt sich auf der gut ausgebauten Schotterpiste Nr. 711 erkunden. An ihrer Ostküste befindet sich der 15 Meter aus dem Wasser ragende Basaltfelsen Hvítserkur, der an zwei Stellen von der Brandung ausgehöhlt ist. Glaubt man einer Volkssage, so war dieser Felsen einst ein Troll, der im Sonnenlicht zu Stein erstarrte. Am Kap der Halbinsel befindet sich Hindisvík (Seehundbucht). Hier kann das ganze Jahr über eine der größten Seehundkolonien Islands beobachtet werden.

Aber auch die Region südlich der Halbinsel zwischen Brú (am Hrútafjörður) und Gljúfurá (auf dem Weg nach Blönduós) hat jede Menge zu bieten. Zum Beispiel befindet sich hier das einzige Museum Islands zum Haifang. Weitere Aktivitäten in der Region sind beispielsweise Schaf- und Pferdeabtriebe im Herbst oder einzigartige Reittouren (vom Hof Brekkulækur aus). Etwas weiter südlich befindet sich eines der grössten, zusammenhängenden Feuchtgebiete des Nordens - die Arnarvatnsheiði mit ausgezeichneten Lachsforellen. Ein besuchenswertes Ereignis ist das alljährliche Grettir-Festival im August. Hier dreht sich alles um die berühmte Isländische Saga von Grettir dem Starken.


Nach obenSeite drucken