Sehenswürdigkeiten auf den Westmännerinseln (Vestmannaeyjar)

Die 15 kleinen Vulkaninseln und Schären des Westmänner-Archipels liegen etwa acht Kilometer südlich der Hauptinsel, verteilt auf eine Fläche von 1.000 qkm. Die meisten von ihnen sind nur kleine Felsen und für Menschen unbewohnbar, doch sind sind Nistplatz für unzählige Seevögel. Nachfolgend werden einige Highlights von Vestmannaeyjar beschrieben. Zahlreiche Fotos mit weiteren Informationen und Sehenswürdigkeiten finden Sie in der Bildergalerie Westmänner-Inseln.

Die Insel Heimaey

Heimaey
Heimaey mit den Vulkanen Eldfell und Helgafell

Heimaey ist mit 13,4 qkm die größte und einzig von Menschen bewohnte Westmänner-Insel. Sie ist vom Festland aus mit dem Flugzeug ab Reykjavik oder ab Bakki an der Südküste zu erreichen. Von dem kleinen Flugplatz Bakki aus fliegen nur Cessnas aus auf die Inselgruppe. Nicht weit von dem Flugplatz befindet sich der Fährhafen Landeyjahöfn. Von hier aus legt die Fähre Herjólfur mehrmals täglich in Richtung Vestmannaeyjar ab. Bis 2010 lag der Fährhafen noch weiter westlich in Þorlákshöfn. Die Überfahrt dauerte von dort aber fast drei Stunden. Der neue Hafen Landeyjahöfn hat die Fahrt auf jetzt nur noch rund 30 Minuten verkürzt. Im Winter und/oder bei sehr schlechtem Wetter steuert die Fähre jedoch auch heute noch Þorlákshöfn an.

Auf ihrer Ostseite fallen zwei Schlackenkegel ins Auge. Der südlichere von beiden ist der etwa 5.000 Jahre alte Helgafell und der nördliche der im Jahre 1973 entstandene Eldfell. Der "Feuerberg" Eldfell hat die Westmännereinseln durch seine Entstehung im Januar 1973 weltweit bekannt gemacht. Nicht weit von der rund 5.000 Einwohner zählenden Stadt hatte sich am Morgen des 23. Januar eine 1,6 km lange Vukanspalte geöffnet. Noch in der selben Nacht konnten alle Bewohner des Ortes evakuiert werden. Nach einigen Tagen bündelte sich die Spalte zu nur einem Schlot, aus dem 1.100°C heiße Lava geschleudert wurde. Mit Hilfe von 6 Mio. m³ Meerwasser, das auf den Lavastrom gespritzt wurde, konnte man diesen endlich im Ort abkühlen. Auch die Hafeneinfahrt, die verschüttet zu werden drohte, konnte gerettet werden. Der Sachschaden war jedoch erheblich. 400 Häuser wurden unter Asche und Lava begraben und viele hundert beschädigt oder zerstört. Die Insel wurde durch die Eruption und den Lavaausfluss aber auch um 2,2 qkm vergrößert.

Auf Heimaey lassen sich schöne Spaziergänge und Wanderungen unternehmen. Ein Rundgang führt vom Friedhof des Ortes auf den Vulkan Helgafell. Von dort kann man über die Nordflanke hinabsteigen, passiert eine Straße und steigt dann über einen Grad auf den jüngeren Vulkan Eldfell hinauf. Von dessen Gipfel kann man wiederum den nördlichen Grad hinunter in den Ort absteigen. Am Fuße dieser Bergflanke erstreckt sich ein großes Lavafeld von 1973 bis zum Hafen. Unter diesem sind noch immer zahlreiche Häuser vergraben. Im Lavafeld sind jedoch Schilder aufgestellt, die an die ehemaligen Straßen erinnern. Mittlerweile wurde damit begonnen, einige Häuser wieder auszugraben. Das Projekt ist unter dem Namen "Pompeji des Nordens" bekannt geworden.

Eine weitere Wanderung beginnt am Golfplatz im Herjólfurdalur und führt entlang der Westküste bis zum Leuchtturm im äußersten Süden der Insel. Hier lassen sich zahlreiche Seevögel, insbesondere auch Papageitaucher beobachten.

Heimaey
Der Friedhof von Vestmannaeyjar

Bekannt sind die Westmännerinseln in Island auch für die vielen Papageitaucher. Auf dem Archipel findet sich die größte Papageitaucherkolonie Islands. Da sie als Delikatesse gelten, werden die hübschen Vögel auf den Westmännerinseln in den Sommermonaten gejagt. Während der Aufzucht der Jungen werden sie jedoch noch geschont, um den Fortbestand der Vögel nicht zu gefährden. Papageitaucher mit Fischen im Schnabel zu fangen ist daher streng verboten. Insgesamt ist die Jagd in den vergangenen Jahren eher rückläufig. Der Papageitaucher ist jedoch auch zu einer Art Maskottchen der Menschen auf den Westmännerinseln geworden. So fühlen sich viele Einwohner der knapp 5.000 Einwohner zählenden Stadt Heimaey auch mit den Tieren verbunden und sorgen für ihren Schutz. Beispielsweise wenn Papageitaucherjunge flügge werden. Denn beim Verlassen des Nestes werden diese in der Nacht häufig magisch von den Lichtern des Ortes angezogen. Zu Hunderten fliegen dann die Jungvögel auf Heimaey zu und verirren sich in dunklen Hinterhöfen, im Hafen oder landen zum Teil mitten auf der Straße. Wie die Jagd auf Papageitaucher ist es in Heimaey auch eine Tradition, den jungen Vögeln in dieser Situation zu helfen. Viele der dort lebenden Kinder und Jugendlichen streifen nämlich dann ausgerüstet mit Taschenlampen und Pappkartons durch die abendlichen Straßen und sammeln die verunsicherten Vögel ein. In diesen Tagen dürfen die Kinder auf der Insel länger als sonst wach bleiben. Zunächst werden die jungen Papageitaucher in den Kartons aufbewahrt, am folgenden Morgen dann am Meeresufer wieder freigelassen.

Surtsey

Dass durch vulkanische Tätigkeit neues Land entstehen kann, zeigte die Geburt einer völlig neuen Insel in den Jahren 1963 bis 1967 durch einen submarinen Vulkanausbruch, der in 130 Metern Tiefe begann und sich innerhalb kurzer Zeit über dem Meeresspiegel fortsetzte. Relativ schnell siedelten sich bereits die ersten Pflanzen auf der neuen Landmasse aus Lava und Asche an. Die neu entstandene Insel wurde nach dem Feuerriesen Surtur benannt, der nach Aussage der Edda von Süden kommend die Welt in Brand steckt. Surtsey ist die südlichste Insel des Westmänner-Archipels und wird seit ihrer Entstehung von Geologen und Biologen untersucht. Inzwischen ist auch geklärt, warum sich so schnell Pflanzen auf diesem lebensfeindlichen Stück Erde ansiedeln konnten. Die dort nistenden Vögel brachten in ihrem Gefieder Samen auf die Insel, die dann in deren nährstoffreichen Kot fielen und somit schnell Pflanzen heranwachsen konnten.

Das Betreten von Surtsey ist bis heute nur Wissenschaftlern erlaubt. Von Reykjavik aus starten jedoch Rundflüge, von denen aus man die junge Insel aus der Luft besichtigen kann. Im Juli 2008 wurde Surtsey von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Die Insel ist nach Thingvellir damit die zweite isländische Stätte auf der Liste des Welterbes.


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