Papageitaucher

von Yvonne Steplavage

Früher war er ein wichtiger Nahrungsbestandteil der Menschen auf der rauen Nordatlantikinsel. Heute ist der Papageitaucher eine Art Maskottchen Islands und dürfte unter nicht zuletzt unter Touristen zu den beliebtesten Vögeln an den Küsten der Insel zählen.

Herkunft des Namens und Verbreitungsgebiete

Papageitaucher
Papageitaucher in den Westfjorden Islands

Der deutsche Begriff "Papageitaucher" stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von dem bunten Schnabel des Tieres. Auf Isländisch wiederum heißt er "Lundi", da der Vogel ebenfalls zur Gattung der Lunden gehört, einer Unterart der Alken. Der lateinische Name lautet "Fratercula arctica" und bedeutet unter anderem "kleiner Bruder im Norden". Das Wort "fratercula" lässt sich von "frater" (Pater, Bruder) herleiten. Die Ursache dieser Namensgebung ist vermutlich auf das schwarz-weiße Federkleid des Papageitauchers zurückzuführen, das an die Robe eines Priesters erinnert. Im Englischen heißt er "Puffin", seltener wird er hier auch "sea parrot" genannt.

Der Lebensraum der Papageitaucher erstreckt sich über den Nordatlantikraum, die Bretagne in Frankreich, teilweise über Nordamerika sowie Spitzbergen. Die meisten Papageitaucher leben jedoch auf Island. Man geht davon aus, dass es auf der Welt zwischen etwa 7,5 Millionen Paare gibt. Der Papageitaucher ist die Vogelart, die auf Island am häufigsten vorkommt. Sein Brutgebiet erstreckt sich über den Großteil der Inselküste. Am meisten jedoch trifft man ihn während der Brutzeit in Westisland sowie auf den Westmännerinseln vor der Südküste Islands.

Außerhalb der Brutperiode allerdings weiß man relativ wenig über den Lebensraum dieser Vogelart. Vor allem über die Winterquartiere ist sehr wenig bekannt. Norwegische und wahrscheinlich auch isländische Papageitaucher leben im Winter vor Nordost-Island. Auch wurden einige im Februar nordwestlich von Island gesichtet. Ebenfalls entdeckte man im Winter einige von ihnen vor der Küste Neufundlands, weiterhin auf den Azoren und südwestlich von Grönland.

Merkmale des Papageitauchers als Familienmitglied der Alken

Wie bereits im oberen Abschnitt erwähnt, gehört der Papageitaucher zur Familie der Alkenvögel. Bei diesen handelt es sich um Seevögel, die über verschiedene gemeinsame Merkmale sowie Verhaltensweisen verfügen. So zum Beispiel brüten sie ihre Jungen auf dem Land aus, während sie ihre Nahrung aus dem Meer holen. Alkenvögel werden recht spät geschlechtsreif und erreichen ein relativ hohes Lebensalter. Das des Papageitauchers liegt bei ca. 25 Jahren. Ein weiteres Merkmal ist das Leben in der Gemeinschaft. So brüten die Alken ihre Jungen in Kolonien aus; auf der anderen Seite halten sie eine große Treue zu ihrem Partner. Bis auf wenige Ausnahmen legen die Alken in der Regel nur ein Ei, ihre Jungen bleiben im Vergleich zu anderen Vögeln relativ lange im Nest wohnen.

Papageitaucher
Papageitaucher an den Klippen
von Látrabjarg in Island

Typisch für diese Seevogelfamilie ist auch der für den Fischfang ausgerichtete stromlinienförmige Körperbau. Die kurzen, schmalen Flügel sind sowohl zum Fliegen als auch zum Tauchen geeignet. Allerdings ist hierbei zu erwähnen, dass sie beim Papageitaucher zum Fliegen gerade groß genug sind, und sie daher für die Fortbewegung im Wasser besser geeignet sind als in der Luft. Der Schwanz ist recht kurz und das Federkleid dicht, was die Vögel vor dem oft rauen Klima des Nordens schützt. Weiterhin besitzen die Papageitaucher Füße, die mit Schwimmhäuten ausgestattet sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten, deren Knochen zur Erleichterung des Fliegens hohl sind, haben die Alken schwere Knochen. Auf diese Weise sind sie vor dem Druck des Wassers geschützt und können somit ohne Probleme tauchen. Gerade die Bewegung der Flügel erfordert unter Wasser sehr viel mehr Kraft als beim Fliegen. Ein weiteres Merkmal der Papageitaucher ist eine große Lunge und Rippen, die über eine hohe Elastizität verfügen. Dies ermöglicht den Vögeln, vor dem Eintauchen ins Wasser viel Sauerstoff aufzunehmen. Um jedoch nicht zu viel davon im Körper zu haben, atmen sie einiges an Luft vor dem Tauchgang wieder aus. Der Sauerstoffgehalt in der Muskulatur sowie den roten Blutkörperchen ist hoch, was dem Papageitaucher die Möglichkeit gibt, auch über einen längeren Zeitraum unter Wasser zu bleiben.

Der Papageitaucher selbst ist von mittlerer Größe. Er hat einen großen Kopf sowie einen soliden Körperbau. Ein sehr auffälliges Merkmal ist, wie bereits erwähnt, sein bunter Schnabel, durch diesen er sich auch von den anderen Alkenvögeln unterscheidet. Der ausgewachsene Papageitaucher ist auf dem Rücken schwarz und am Bauch weiß, das Brustband und Kopf sind schwarz, die Kopfseiten jedoch grau. Seine Unterflügel wiederum sind schwarz. Ins Auge stechen neben dem auffälligen Schnabel auch die Beine und Füße des Papageitauchers, welche eine orangerote Farbe aufweisen. Die Augen dieser Vogelart sind dunkel und von einem roten Ring umgeben, weiterhin von bläulichen Hautplättchen. Von dort aus zieht sich ein dunkler Streifen nach hinten.

Der Papageitaucher verändert sich zur Winterzeit farblich ein wenig. Der Schnabel ist kleiner und blasser, die Seiten des Kopfes werden dunkler. Junge Papageitaucher ähneln den älteren. Der Bereich vor den Augen ist allerdings dunkler und der Schnabel schmaler. Zu bemerken ist auch, dass der Papageitaucher im Spätwinter seine Flugfedern verliert, so dass er zeitweise flugunfähig ist. Dieses Merkmal ist ebenfalls bei den Enten während der Mauser im Spätsommer zu beobachten.

Der isländische Papageitaucher ist ca. 27 bis 32 cm groß, gemessen von der Schnabelspitze bis zum Ende der Schwanzfedern. Er wiegt durchschnittlich 500 g, und die Spannweite seiner Flügel liegt bei 47 bis 65 cm. Papageitaucher, die weiter im Norden leben, sind größer als diejenigen in südlicheren Gebieten.

Der Papageitaucher gehört eher zu den schweigsameren Zeitgenossen. Wenn er jedoch kommuniziert, so ist dies meist ein murrender Laut, der sich wie folgt anhört: arrrrrrr…arrrrrr… Die Vögel haben Rufkontakt untereinander und reagieren auch, wenn jemand ihre Laute nachahmt. Sobald sie untereinander streiten, geben sie ähnliche, jedoch eher knurrende Geräusche von sich. Auch während der Paarungszeit hört man von ihnen diverse, hierbei gedämpfte Laute. Bei den Jungen der Papageitaucher ist häufig ein Fiepen zu vernehmen.

Ein weiteres Merkmal im Verhalten der Papateitaucher ist das "Schnäbeln". Dies praktizieren die Vögel, um eine bereits bestehende Paarbeziehung zu stärken. Sie schlagen die Schnäbel aneinander; wobei teilweise ein hörbares Klacken zu vernehmen ist. Dies hat häufig zur Folge, dass auch andere Papageitaucher mit dem Schnäbeln anfangen. Für Außenstehende hat dies oftmals den Anschein, als würden die Vögel paarweise miteinander tanzen.

Eine Eigenart des Papageitauchers ist auch das "Schnabel-sperren". Hierbei stehen sich die Tiere mit geöffnetem Schnabel gegenüber. Das "Schnabel-sperren" gilt als Drohgebärde. Der Vogel, der mit einer solchen Geste herausgefordert wird, reagiert wiederum mit dem gleichen Verhalten. Wenn jedoch ein Papageitaucher von einer größeren Gruppe auf diese Art bedroht wird, flüchtet er in der Regel.

Nicht selten geraten Papageitaucher miteinander in Streit. Oftmals geht es hierbei um die Verteidigung des Partners oder auch des Brutplatzes. Bei ihren Keilereien verwenden die Vögel ihre Füße oder auch den Schnabel. Mit den Flügeln halten sie dabei das Gleichgewicht. Zusätzlich ist bei dem Streit ein lautes Knurren zu vernehmen, das zahlreiche Schaulustige anlockt. Ist dieser besonders heftig, so kann es passieren, dass einer der Gegner von der Klippe gestoßen wird. Es kommt jedoch kaum vor, dass ein Papageitaucher bei einer Auseinandersetzung ernsthaft verletzt wird, meist bleibt es bei ein paar Schrammen.

Der Gang des Vogels ist im Normalfall aufrecht. Möchte er jedoch Signale aussenden, so kommt es zu entsprechenden Abweichungen. Wenn er sich beispielsweise in gebückter Haltung durch die Kolonie bewegt, teilt er seinen Artgenossen mit, dass er sie nicht stören möchte. Der sogenannte "Pelikan-Gang" wiederum gilt als Drohgebärde. Hierbei tritt der Vogel auf der Stelle. Unter anderem findet diese Gebärde bei der Verteidigung des Brutplatzes Anwendung.

Der Papageitaucher fliegt normalerweise zügig und ohne größere Umwege. Seine Fluggeschwindigkeit liegt in etwa bei 70 bis 80 Kilometern pro Stunde. Mit dem Auffliegen tut er sich allerdings verhältnismäßig schwer, ebenso mit der Landung. Möchte der Papageitaucher mit seinem Flug starten, so braucht er einen größeren Anlauf. Erheblich leichter fällt es ihm, wenn er von einer Klippe aus losfliegt. Seine Landung wirkt vor allem auf dem Wasser schwerfällig. Meist trifft er dort mit einem Bauchplatscher ein und geht dann unter. Manchmal bleibt sein Kopf dabei oben, hat er diesen jedoch eingezogen, so ist von dem Vogel nichts mehr zu sehen.

Paarung und Brutverhalten

Die Papageitaucherpaare beginnen ihre Balz im Frühling, wenn sie zu ihren Brutplätzen zurückkehren. Es wird vermutet, dass die sie während des Winters keinen bzw. kaum Kontakt zueinander haben. Doch wie erkennen sich die Partner wieder? Ein Teil der Wissenschaftler vermutet, dass sie in der Nähe ihres Brutplatzes aufeinander treffen. Andere nehmen jedoch an, dass die Vögel in der Lage sind, das Aussehen und auch die Stimme ihres Partners bereits auf dem Meer von den anderen Papageitauchern zu unterscheiden. Ein typisches Merkmal des männlichen Balzverhaltens ist ein automatisches Rucken des Kopfes sowie ein "arrr"-Rufen, um das Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Ist dieses interessiert, so schlägt das Männchen zusätzlich mit seinen Flügeln. Beim weiblichen Papageitaucher hingegen gibt es wenige Besonderheiten im Balzverhalten. Man konnte aber schon beobachten, dass das Weibchen bei Interesse an der Paarung mit erhobenem Haupt schwimmt und dabei das Hinterteil tiefer ins Wasser drückt. Im nächsten Schritt kann nun die Begattung folgen.

Papageitaucherpaar auf Klippe
Papageitaucherpaar

Das jeweilige Paar kehrt zur Brutzeit jedes Jahr wieder zur gleichen Höhle zurück, vorausgesetzt, diese ist noch bewohnbar. Hierbei wird abgefallene Erde entfernt, bei Bedarf die Behausung weiter ausgebaut. Der Papageitaucher lockert hierbei den Erdboden mit seinem Schnabel und scharrt diesen mit den Füßen nach draußen.

Um die Bruthöhlen herrscht im Regelfall ein großer Konkurrenzkampf unter den Vögeln. Es gibt viele, die auf der Suche nach einer Höhle sind, vor allem junge Papageitaucher, die sich hierbei erst noch etablieren müssen. Sie haben die Möglichkeit, eine bereits bestehende Höhle zu erobern oder eine neue zu graben. Ältere Vögel setzen alles daran, ihre eigene zu verteidigen, auch diejenigen, die ihren Partner im Winter verloren haben und um einen neuen werben.

Die von den Papageitauchern gegrabenen Höhlen befinden sich in der Erde an den Grasnarben der sanfter geschwungenen Hänge oberhalb von Klippen. Auch findet man die Bruthöhlen in Geröllhängen, teilweise auch in Felsklüften sowie Spalten. Die Papageitaucher brüten vorzugsweise dort, wo es steil ist. Zum einen ist es für die Vögel einfacher, ihre Höhle in einen Hang zu graben. Auch erreichen sie diese auf diese Weise schneller, und es besteht ein größerer Schutz vor Räubern. Des Weiteren fällt es den Tieren aufgrund ihrer körperlichen Beschaffenheit leichter, von einem Hang abzufliegen als von einer flachen Stelle. Vor allem in größeren Kolonien verhindert der Höhlenbau an steilen Hängen den Zusammenstoß zwischen startenden und landenden Papageitauchern.

In der Regel ist die Höhle dieser Vogelart zwischen 70 und 100 cm lang, meist macht sie im Inneren eine Kurve. Die Ecke, in der sich das Nest befindet, liegt im hinteren Teil. Oftmals gibt es noch eine Nische in der Nähe des Ausgangs, die die Vögel als Toilette benutzen, damit die Behausung sauber bleibt. Das Nest legt der Papageitaucher mit diversen Pflanzen, Seetang, getrocknetem Gras sowie Federn aus.

Die Zeit des Eierlegens variiert je nach der Region, in der die Papageitaucher leben, zwischen der zweiten Aprilwoche und Mitte Mai. Das Ei dieser Vogelart ist weiß, die Form rund und sein Gewicht beträgt im Durchschnitt ca. 65 Gramm. Beim Brüten wechselt sich das Papageitaucherpaar in der Regel ab; das Ei kann jedoch auch für einen kürzeren Zeitraum ohne Brüten in der warmen Höhle liegen, ohne dass etwas passiert. Um das Ei zu wärmen, verfügt der Papageitaucher über zwei so genannte Brutflecken. Hierbei handelt es sich um zwei Stellen am Rumpf rechts und links unterhalb der Flügel, an denen sich kein Gefieder befindet. Nach ca. sechs Wochen Brutzeit schlüpft schließlich der junge Papageitaucher.

Vom Schlüpfen bis zur Geschlechtsreife

Das Papageitaucherjunge unterscheidet sich im Äußeren stark von seinen Eltern. Es verfügt über ein dunkles Daunenkleid sowie einen ebenso dunkelfarbenen Schnabel. In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen wird es von seinen Eltern gewärmt. Bereits nach einer Woche kann es jedoch in der Höhle alleine gelassen werden, um somit die Futterbeschaffung zu gewährleisten. Das Junge wird zwischen vier und zehn Mal pro Tag gefüttert, am meisten am Morgen. Die Nahrung besteht bevorzugt aus Sandaalen und ausgewachsener Lodden – einem kleinen Fisch, der im arktischen Ozean heimisch ist. Dieser ist besonders fett- und proteinreich, was für die Entwicklung und das Wachstum des Jungvogels von großer Bedeutung ist. Zur Futterbeschaffung fliegen die Papageitaucher eventuell auch größere Strecken. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei auch das Nahrungsangebot vor Ort. Die Papageitaucher-Eltern verbringen die Nacht auf dem Wasser und beginnen am frühen Morgen, nachdem sie selbst gefressen haben, mit der Futtersuche.

Papageitaucher mit Fischen im Schnabel
Papageitaucher mit Fischen für das Jungtier

In der Mitte der Nistperiode erhält das Junge in der Regel besonders viel Nahrung. In den ersten fünf Wochen wächst es besonders schnell, so dass es bereits nach diesem Zeitraum 75 Prozent der Größe eines erwachsenen Papageitauchers erreicht hat. Nach diesem Stadium bekommt das Junge weniger Nahrung. Sein Aussehen hat sich außer der Aufhellung der Daunen bis dahin nicht verändert. Nun aber legt der junge Vogel die Daunen ab, und die Federn beginnen zu wachsen, zuerst an Bauch, Brust und Kehle, später auch an Kopf, Nacken, an den Seiten sowie oberhalb des Schwanzes. Bis auf einige Ausnahmefälle haben die Jungen, wenn sie flügge sind, alle Daunen verloren. In der Regel sind sie nach 35 bis 36 Tagen ausgewachsen und verlassen nach 38 bis 44 Tagen ihr Nest. Die Dauer des Wachstums ist auch auf das jeweilige Nahrungsangebot zurückzuführen.

In den letzten Tagen, bevor das Junge flügge wird, beginnen die ersten Flugübungen. Diese finden zunächst im Eingangsbereich der Höhle statt, wo die Jungen ausgiebig die Flügel bewegen. Bei Gefahr, u. a. durch Feinde, können sie sich schnell in die Behausung zurückziehen. Nach dem endgültigen Verlassen des Nestes sieht der junge Vogel seine Eltern in der Regel nicht wieder. Seinen ersten Flug startet er gewöhnlich in der Nacht. Möglicherweise orientieren sich die jungen Vögel am Mondschein. Manchmal werden sie jedoch von den Lichtern nahegelegener Siedlungen angezogen. Dies ist beispielsweise auch bei den Papageitauchern auf den isländischen Westmännerinseln der Fall. Viele der Jungvögel landen dann auf Gehwegen, Dächern und in Vorgärten. Diese Nächte sind dann bei den Kindern des Ortes Heimaey ein besonderes Ereignis des Jahres. Denn dann dürfen sie lange wach bleiben, um den jungen Vögeln zu helfen. Diese werden eingefangen und über Nacht zu Hause beherbergt, bevor die kleinen Papageitaucher am nächsten Tag am Meer in die Freiheit entlassen werden. Zuvor werden sie jedoch meist noch zu wissenschaftlichen Zwecken beringt.

In den ersten beiden Lebensjahren kommt der junge Papageitaucher niemals an Land; sein Zuhause ist ausschließlich das Meer. Danach kehrt er gewöhnlich an den Ort zurück, an dem er aufwuchs. Seine Geschlechtsreife erreicht er allerdings erst im Alter von 5 bis 6 Jahren. Er beginnt nun, sich zu paaren und eine Bruthöhle zu bauen bzw. zu suchen.

Die Nahrung des Papageitauchers

Der Papageitaucher ernährt sich, wie auch andere Seevögel, von Fisch. Der größte Teil davon besteht aus Sandaalen, weiterhin zählen zu seiner Beute die Lodde, Seelachs, Rotbarsch, Hering, Sprotte und andere Fischarten. Seine Nahrungssuche beginnt, indem der Papageitaucher zunächst unter der Wasseroberfläche Ausschau hält. Entdeckt er dann etwas Schmackhaftes, so taucht er danach, indem er sich mit seinen Flügeln nach vorne bewegt.

Papageitaucher mit Fischen im Schnabel
Papageitaucher mit Futter für das Junge

Eine besondere Fähigkeit des Papageitauchers ist das Fangen einer größeren Anzahl an Fischen, um diese zur zur Bruthöhle transportieren zu können. Diese liegt bei 5 bis 20 Fischen pro Fangtour. Ermöglicht wird dies durch eine Besonderheit des Schnabels. Im Inneren befinden sich dort zahlreiche Widerhaken; die Zunge besteht im Rachen aus etlichen hornigen Papillen. Auf diese Weise kann der Papageitaucher die glitschigen Fische nach hinten schieben und sie ordentlich aneinanderreihen. Durch diese sehr interessante Konstruktion hat er die Möglichkeit, seine Jagd unter Wasser mit den bereits gefangenen Fischen im Schnabel jederzeit fortzuführen.

Leider kommt es häufig vor, dass ihm seine Nahrung von anderen Tieren wieder abgenommen wird, unter anderem von großen Möwen. Diese zerren ihn beispielsweise am Schwanz oder beißen ihm in den Nacken, um ihn zum Fallenlassen der Beute zu bewegen. Besonders gefährlich sind hierbei die Mantelmöwen. Diese fressen nicht nur die von ihm gefangenen Fische, sondern verschlingen oft gleich den kompletten Papageitaucher dazu.

Diese Möwenart ist jedoch nicht sein einziger Feind. Im folgenden Abschnitt wird noch einmal ausführlich auf die wichtigsten Feinde des Vogels eingegangen.

Seine Feinde

Zu den Feinden des Papageitauchers gehört unter anderem der Polarfuchs. Eine Bedrohung ist dieser vor allem für frisch geschlüpfte Jungen in ihren Nestern. Durch ihr Rufen nach Nahrung wird der Fuchs angelockt, der daraufhin anfängt, die Höhle auszubuddeln.

Weitere gefährliche Feinde sind verschiedenen Arten von Möwen, wie z. B. die Große Raubmöwe und die Schmarotzerraubmöwe, die Silber- und die Mantelmöwe. Auch der Kolkrabe, der Seeadler und der Gerfalke stellen eine große Bedrohung dar. Letztere jagen nicht nur den Papageitaucher selbst, sondern plündern auch dessen Eier. Von den Säugetieren jagt neben dem Polarfuchs ebenfalls der Mink (amerikanischer Nerz) diese Vogelart. Gibt es Gelegenheit, so bedient auch er sich an dessen Eiern. Doch auch der Mensch stellt dem Papageitaucher seit Jahrhunderten nach. Vor allem auf den isländischen Westmännerinseln hat die Jagd auf die Vogelart Tradition. In Island gilt der Papageitaucher teilweise als Delikatesse, ebenso dessen Eier. Aus diesem Grund wird er dort insbesondere in den Sommermonaten gejagt. Während der Aufzucht der Jungen werden sie jedoch noch geschont, um den Fortbestand der Vögel nicht zu gefährden. Papageitaucher mit Fischen im Schnabel zu fangen ist daher streng verboten.

Um den zwischenzeitlich durch Jagd und Krankheiten reduzierten Bestand zu schonen, griffen die isländischen Behörden im Jahr 2009 zu drastischen Maßnahmen. Die Jagdsaison wurde von 55 auf 5 Tage gekürzt, und es durften anstelle der sonst ca. 100.000 Papageitaucher nur 3.000 gefangen werden.

Der Papageitaucher und der Mensch

Wie bereits im Abschnitt "Vom Schlüpfen bis zur Geschlechtsreife" erwähnt, wird das Papageitaucherjunge beim Verlassen des Nestes in der Nacht häufig von den Lichtern nahegelegender Städte und Dörfer angelockt. Ein Beispiel sind auch hier die Westmännerinseln auf Island.

Oftmals fliegen Hunderte von Jungvögeln dort auf die Siedlung Heimaey zu. Sie verirren sich in dunklen Hinterhöfen oder im Hafen oder landen zum Teil mitten auf der Straße. Doch sie erhalten Hilfe von vielen der dort lebenden Kindern und Jugendlichen. Diese streifen ausgerüstet mit Taschenlampen und Pappkartons durch die abendlichen Straßen und sammeln die verunsicherten Vögel ein. In diesen Tagen dürfen die Kinder auf der Insel länger als sonst wachbleiben. Es kommt auch häufig vor, dass Freunde und Verwandte vom Festland, sogar ausländische Touristen, bei dieser besonderen und wichtigen Aktion mithelfen.

Papageitaucher in Islands Westfjorden
Gelegentliches Flügelschlagen ist charakteristisch
für Papageitaucher

Zunächst werden die jungen Papageitaucher in den Kartons aufbewahrt, am folgenden Morgen dann am Meeresufer wieder freigelassen. Zuvor werden die Tiere oft noch zu wissenschaftlichen Zwecken beringt. Die Rettung dieser Tiere stellt auf der einen Seite ein großes Ereignis für die Kinder dar, auf der anderen lernen sie den respektvollen Umgang mit den Lebewesen und der Natur.

Bei Touristen aus den verschiedenen Ländern erfreuen sich die gefiederten Freunde mit ihrem putzigen und manchmal tollpatschigen Auftreten immer größerer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es in Geschäften unzählige Souvenirs mit Motiven des "Clowns des Nordens" – so werden die Papageitaucher auch manchmal genannt. Zu den Andenken zählen unter anderem T-Shirts, Pullover, Becher oder auch Stofftiere. Obwohl der Papageitaucher auf den Westmännerinseln gejagt und verspeist wird, lieben ihn die Bewohner auf der anderen Seite sehr und haben ihn daher zu ihrem Maskottchen erklärt. Ein Hotel und zwei Restaurants wurden sogar nach ihm benannt.

Deutlich zutraulicher sind Papageitaucher in den abgelegenen Westfjorden, insbesondere an der Steilküste von Látrabjarg. Dort verirren sich nur wenige Touristen und einige Ornithologen hin. Der Papageitaucher ist dort daher nicht so scheu wie auf den Westmännerinseln und lässt Menschen relativ nah an sich heran. Weitere gute Beobachtungsorte in Island gibt es an der Halbinsel Tjörnes nördlich von Husavik in Nordisland sowie in den Ostfjorden und auf der Insel Papey im Südosten Islands. Außerhalb Islands findet sich ein besonders guter Beobachtungsort auf der Insel Mykenes auf den Färöer. Zahlreiche weitere Beobachtungsorte gibt es im restlichen Verbreitungsgebieten, insbesondere in Norwegen und Schottland.

Kinderbuch

Zu guter Letzt noch einen Tipp für Kinder:

Der kleine Papageitaucher Jakob – Geheimnisvolle Lichter

Die von der Autorin Yvonne Steplavage verfasste Geschichte entführt Kinder und Eltern auf die isländischen Westmännerinseln und lässt sie an einem ganz besonderen jährlichen Ereignis teilhaben. Detailierte Informationen zu der Geschichte gibt es auf der Internetpräsenz www.steplavage.de/papageitaucher-jakob. Erhältlich ist das Kinderbuch in dem Online-Versandhandel Amazon.de (Sponsored Link).

Der kleine Papageitaucher Jakob: Geheimnisvolle Lichter
Autorin: Yvonne Steplavage
Taschenbuch, 34 Seiten
1. Auflage 2017
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN-10: 1541318560
ISBN-13: 978-1541318564
Größe: 21,6 x 0,2 x 27,9 cm

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