Die Autorin Stella Blómkvist

von Michael Hopp am 22.08.2004

Island-Krimis sind auch in Deutschland populär, spätestens seit dem großen Erfolg von Arnaldur Indridason (Nordermoor, Todeshauch). In seinem "Fahrwasser" wurde auch hierzulande die Krimi-Fangemeinde auf andere isländische Autoren dieses Genres aufmerksam. So eine Autorin ist z. B. Stella Blómkvist. Seit ihrem Debütroman im Jahr 1997, in Deutschland unter dem Titel "Die Bronzestatue" bei btb Goldmann erschienen, gehört sie zu den populärsten Autorinnen in Island.

Angeblich verbirgt sich hinter dem Pseudonym eine bekannte isländische Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, aber dieses mag auch nur ein geschickter Werbeschachzug des Verlages sein. Allerdings zeigen die Stories auch ein fundiertes Insiderwissen aus der Politik, dem Gerichtswesen und den Medien. Die Autorin spart nicht mit Kritik an vielen tragenden Säulen des isländischen Gemeinwesens, so heißen die Polizisten bei ihr grundsätzlich nur "Goldjungs" und Politiker zeichnen sich vor allem durch Intrigen und Karrierekämpfe aus.

An Stella Blómkvist scheiden sich hier in Deutschland die Geister. Manchen erscheint ihre Erzählweise zu platt und zu plakativ (Mama sagt: "Schlüpferfieber mach blind"), andere wieder lieben sie gerade deshalb.

Die Protagonistin der Romane ist eine Rechtsanwältin, attraktiv, Jack-Daniels-Liebhaberin und mit einem sehr aktiven Sexualleben. Sie hat sich eigentlich auf das Schuldeneintreiben und die Vertretung von Kleinkriminellen spezialisiert, wird aber in beiden Romanen in spektakuläre Mordfälle verwickelt.

Zu den beiden bisher in Deutschland erschienenen Büchern.

Die Bronzestatue (Mordid i stjórnarrádinu): Eine junge, ehrgeizige Abteilungsleiterin eines Ministeriums wird mit einem schweren Gegenstand erschlagen – und ihre Leiche liegt ausgerechnet im Plenarsaal, direkt am Tisch, an dem die Regierungsmitglieder sonst tagen. Da Stella an der Schuld des Hauptverdächtigen zweifelt übernimmt sie dessen Verteidigung. Im Zuge ihrer Ermittlungen geraten immer mehr Verdächtige ins Visier, bis hin zu hohen Regierungsbeamten.

Viele Kritiker des Romans haben Recht, wenn sie es übertrieben finden, dieses Debüt als Kultbuch zu feiern. Der Plot zieht sich doch manchmal langsam und holprig dahin. Die Autorin versucht dieses dann mit einer überaus exaltierten Herausstellung der Protagonistin zu überspielen. Und das Ende erscheint ebenfalls nicht sehr logisch. Aber es war eben ein Debütroman.

Das ideale Verbrechen (Mordid i sjónvarpinu): Im August 2004 in Deutschland erschienen, kam er in Island bereits 2000 heraus. Drei Jahre hatte sich die Autorin für ihr zweites Werk Zeit gelassen, Zeit die sich gelohnt hat.

Die Story: Vor laufender Live-Kamera kippt die Moderatorin einer populären Kultursendung tot um, nachdem sie einen Schluck aus einem Wasserglas genommen hat. Stella Blómkvist ermittelt wieder.

Hier stimmt einfach alles. Eine spannende Story mit überraschenden Wendungen. Die Protagonistin darf dieses Mal neue, tiefergehende Facetten ihres Wesens zeigen, die weiteren Figuren des Romans werden überzeugend und präzise dargestellt. Aber natürlich fehlen auch wieder die flotten Sprüche nicht (Mama sagt: "Rache und Dummheit sind Zwillinge mit bloßen Füßen"). Ein durchweg gelungener Krimi, wirklich lesenswert. Da darf man sich schon auf ihr drittes Werk freuen ("Der falsche Zeuge" - "Mordid i alpingishúsinu", ist für April 2005 angekündigt)

Übrigens, ein herzliches Dankeschön an den btb-Goldmann-Verlag für die absolut gelungene Umschlaggestaltung, wirklich liebevoll gemacht.


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