Die isländische Band Minus

von Michael Hopp am 05.01.2005

Zugegeben, als ich das erste Mal etwas über "Minus" las, fand ich, die Jungs trugen ganz schön dick auf. Ihre Eigenbeschreibung hörte sich z. B. so an: "Island ist das Produkt von Millionen Jahren, in denen sich ein geschmolzener Gesteinsbrocken zu einer festen Masse verdichtete... Minus ist das Produkt von fünf Jahren Frustration, Konfrontation und Lautstärke. Sie ist die innovativste Band, die das Land seit Sigur Ros hervorgebracht hat – und die härteste." Und dann noch dieses Foto. Machoartig, nackter Oberkörper, Schlangen um den Hals. Ich dachte: "Oh Mann, noch so eine Poser-Band."

Trotzdem bin ich dann, wiederum zugegeben, aus nostalgischen Gründen vor einigen Monaten zu einem Konzert von "Minus" in unserer Stadt gegangen. Und dann ist es passiert – das Quintett um den charismatischen Sänger Krummi (weiterhin dabei Frosti-Guitar, Bjarni-Guitar, Johnny-Bass, Bjossi-Drums) hat mich weggeblasen, einfach weggeblasen. Energie pur. Ein Song jagte den anderen, immer wieder Breaks mit ruhigeren Phasen, um dann in der nächsten Minute ein Stakkato hinzulegen. Nach zwanzig Minuten war ich, wie die meisten Besucher, bei hochsommerlichen Temperaturen schweißgebadet. Das war Noise-Rock vom Feinsten mit etlichen Hardcore-Einflüssen.

Nach dem Konzert dachte ich: "Nichts wie ab zum nächsten CD-Laden und die neue Scheibe holen." Daheim, nach mehrmaligem Hören, entdeckte ich, dass ich eine wirkliche Perle gekauft hatte. Viele Zwischentöne, die beim rasanten Live-Konzert untergegangen waren, breites Spektrum. Eine Entdeckungsreise. "Minus" scheut sich nicht bei anderen Bands "abzukupfern", entwickelt daraus aber ganz eigene Stilvarianten. Der Kerrang-Musiksender (UK) sprach sogar begeistert von "DER Rock´n Roll-Band, auf die die Welt gewartet hat". Dementsprechend gut ist die Gruppe auch im Geschäft. Support-Act von "Metallica". Erfolgreiche Tournee in England mit neun Auftritten. Opening-Act des legendären Reading-Festivals.

Anspieltipps ihrer CD "Halldor Laxness":

Boys of winter
Angel in disguise
The long face


Weitere Rezensionen über isländische Literatur, Musik und Filme


Nach obenSeite drucken