Tierwelt in Island

Islandpferde
Islandpferde

Islands Tierwelt ist nicht sehr artenreich. Vor der Besiedlung durch den Menschen gab es hier nur Vögel, Fische, Insekten, Robben, Polarfüchse und manchmal Eisbären, die zufällig mit einer Eisscholle von Grönland hierher trieben. Mit den Menschen kamen die Haustiere, insbesondere Schafe und Pferde, die im Sommer auf den Hochweiden anzutreffen sind. Ihre Art ist seit der Wikingerzeit unverändert erhalten. Aber auch Mäuse und Ratten wurden auf Schiffen eingeschleppt.

Polarfuchs

Der Polarfuchs ist das einzige Landsäugetier Islands, das schon vor der Ankunft des Menschen dauerhaft hier lebte. Grundsätzlich unterscheidet man bei dieser Tierart zwischen Weiß- und Blaufüchsen. Das Sommerfell hat bei beiden eine bläulich-graue färbung. Weißfüchse legen im Winter jedoch ihr Sommerfell ab und sind zu dieser Jahreszeit weiß gefärbt. In Island dominieren vor allem Blaufüchse, da sie in den schneearmen Küstenregionen besser getarnt sind. Nur etwa 20 Prozent ihrer Artgenossen in Island tragen im Winter ein weißes Fell.

Der Polarfuchs auf Island ernährt sich in erster Linie von Vögeln und Vogeleiern. Der Polarfuchs ist aber auch Aasfresser. Im Frühsommer sucht er oft den Strand nach aus dem Nest gefallenen Küken ab oder ernährt sich von zu Tode gekommenen Schafen und Rentieren. Als Räuber von Schafen wurde er lange Zeit gejagt, so dass sein Bestand stark zurück ging. Tatsächlich ist der Fuchs jedoch allenfalls in der Lage ein schwer krankes Schaf zu erlegen und stellt daher keine Gefahr für Nutztiere dar. Durch gesetzliche Maßnahmen und durch Aufklärung konnte die Ausrottung des Polarfuchses auf Island verhindert werden.

In den Westfjorden Islands gibt es in Súðavík ein Forschungszentrum für Polarfuchse, das auch Besucher umfassend über die Tierart informiert.

Robben und Wale

An den Küsten und in den küstennahen Gewässern Islands treffen wir vielerorts auf Seehunde und Robben. Sie lassen sich auf flachen Sandbänken rund um die Vulkaninsel beobachten. Besonders viele Tiere trifft man an der Seehundbucht im Norden der Halbinsel Vatnsnes an. Rund die Hälfte aller "gemeinen Seehunde" lebt an den Küsten Islands. Doch auch der "graue Seehund" ist auf Island häufig anzutreffen. Vorwiegend im Norden des Landes sind Ringelrobbe, Sattelrobbe und Kegelrobbe anzutreffen. Das Walross wurde in früheren Zeiten gelegentlich an isländischen Küsten beobachtet. Seit längerer Zeit wurde diese Tierart jedoch nicht mehr gesichtet. Der letzte Besuch eine Walrosses war im Jahr 1983 auf der Halbinsel Snæfellsnes.

In isländischen Gewässern trifft man außerdem häufig auf Wale und Delfine. Der bekannteste Ausgangspunkt für Walbeobachtungs-Touren ist Húsavík, aber auch von Keflavik, Reykjavik und Snæfellsnes aus starten einige Ausflugsboote in den Sommermonaten. Zu den am häufigsten beobachteten Meeressäugern gehört der Weissschnauzendelfin und der Minkwal (Zwergwal). Es werden aber gelegentlich auch Seiwale, Schweinswale, Schwertwale (Orcas), Pottwale, Buckelwale und Finnwale gesichtet. Sogar das größte Säugetier der Welt, der bis zu 35 Meter lange Blauwal, lässt sich mit etwas Glück beobachten.

Fische

Aufgrund des Zusammentreffens eines Ausläufers des warmen Golfstroms und sauerstoffreicher, polarer Wassermassen ist das Leben im Meer vor Island sehr artenreich an Fischen und Schalentieren. Vor der isländischen Küste leben rund 150 Fischarten. Hierzu zählen beispielsweise Eishai, Heringshai, Lodde, Heilbutt, Kabeljau, Glattrochen, Seelachs, Rotbarsch und Schellfisch sowie Garnelen, Island-Muscheln, Kaiserhummer und Miesmuscheln. In den Binnengewässern ist die Vielfalt an Fischen nicht ganz so vielseitig. Die klaren Flüsse und Seen bieten Lebensraum für Aale, Forellen, Lachse, Stichlinge und Saiblinge.

Vögel

Dreizehenmöwe
Dreizehenmöve

Im Gegensatz zu anderen Tierarten ist die Vielfalt der Vögel enorm groß. Im Landesinneren leben z.B. Rotdrossel, Schneeammer, Kurzschnabelgans, Schneehuhn und Uferschnepfe, aber auch Austernfischer und Gerfalke dringen manchmal bis hierher vor. Der Mývatn ist unter Ornithologen besonders wegen seiner Vielfalt an Enten bekannt. Alle 15 auf Island vorkommenden Arten brüten hier.

In den Küstenregionen leben unzählige Seevögel. Die bis zu mehreren hundert Metern aus dem Meer herausragenden Steilklippen können in ihrem "Aufbau" auch nach Vogelarten unterschieden werden: Im untersten Teil der Vogelfelsen brüten Gryllteisten. Etwas weiter oben mischen sich die Nester mit denen der Krähenscharbe und Dreizehenmöve. Weiter oben findet man Tordalk, Trottellumme und Eissturmvogel. Auch Basstölpel sind an den Klippen zu finden - die Insel Eldey im Südwesten Islands beherbergt die weltweit größte Kolonie dieser Vogelart. Im Brutgebiet der Küstenseeschwalbe, einem mövenähnlichem Vogel, ist Vorsicht geboten. Sie attackieren jeden Eindringling mit Schnabelstößen und machen auch vor Menschen nicht Halt.

Ein Feind vieler Seevögel ist die Skua (Große Raubmöve). Sie ist jederzeit bereit einem anderen Vogel seine Beute abzujagen. Und nicht nur das - oft erbeutet sie den ganzen Vogel noch mit dazu.

Papageitaucher
Papageitaucher

Ganz weit oben, auf den sanft geschwungenen Grashängen über den Klippen findet man den Papageitaucher. Mit seinem bunten Schnabel und seinem tollpatschig wirkendem Auftreten ist er zu einer Art nationalem Wahrzeichen der Isländer geworden. Er bringt jährlich nur ein Junges zur Welt, das in einer gegrabenen Höhle aufgezogen wird. Papageitaucherpaare brüten jedes Jahr aufs Neue und verbringen so fast ihr ganzes Leben miteinander. Seine Nahrung bezieht der Papageitauscher auf dem Meer. Im Gegensatz zu anderen Seevögeln stürzt er sich bei der Jagd nicht ins Wasser, sondern taucht mit kräftigen Flügelschlägen bis zu 50 Meter in die Tiefe. Dabei erbeutet er kleine Fische wie Sandaale und Lodden. Mit weit über 5 Million Paaren galt der Bestand der Papageitaucher in Island lange Zeit gesichert, obwohl ihm schon seit Urzeiten auch vom Menschen nachgestellt wird. Früher war sein Fleisch für eine ausgewogene Ernährung wichtig. Heute jagt man ihn eher, da sein Fleisch in Island als Delikatesse gilt. Die größten Papageitaucherkolonien findet man auf den Westmänner-Inseln und an den Klippen von Látrabjarg in den Westfjorden. In den vergangenen Jahren ist in Island eine dramatischer Rückgang der Papageitaucher-Population zu beobachten. Die Ursache ist bisher nicht endgültig geklärt. Möglicherweise liegt es an dem Rückgang der für die Vögel wichtigen Fischbestände.

Doch nicht nur aus dem Papageitaucher zieht der Mensch einen Nutzen. Die Eier vieler Klippenbewohner sind heute noch wegen ihres Geschmacks heiß begehrt. Die Eiersammler gehen an den hohen Steilküsten - nur durch ein Seil gesichert - einer nicht ganz ungefährlichen Arbeit nach. Diese hat sich inzwischen jedoch zu einer neuen Nationalsportart entwickelt.

Insekten

Aufgrund seiner Lage im hohen Norden bietet Island nur für wenige Insekten einen Lebensraum. Am häufigsten treten Mücken auf, die in manchen Zeiten eine starke Belästigung für Mensch und Tier darstellt. Auf sie trifft man vorrangig in der Umgebung von Mooren und flachen Seen, wie beispielsweise in Nordisland am Mývatn, dem Mückensee, der den Plagegeister seinen Namen zu verdanken hat.

Eisbären

Eisbär
Im Durchschnitt kommt alle 10 Jahre
ein Eisbär zu Besuch nach Island

Eisbären auf Island sind eine Seltenheit. Aufgrund ungeeigneter Jagdmöglichkeiten können Eisbären in Island nicht überleben. Der natürliche Lebensraum der Raubtiere liegt normalerweise dort, wo es genügend Treibeis gibt, um auf Robbenjagd gehen zu können. Es kommt im Durchschnitt nur alle zehn bis 20 Jahre vor, dass ein Eisbär zufällig mit einer Scholle von Grönland bis zur Vulkaninsel treibt. Oft ist das Eis zuvor so weit geschmolzen, dass der Bär zunächst noch eine weite Strecke schwimmen muss, bis er in Island an Land geht. Diese Strecke kann durchaus mehrere Hundert Kilometer weit sein. Da die Tiere nach der langen Zeit auf dem Meer sehr hungrig und dadurch aggressiv werden, ist bei Eintreffen eines Eisbären auf Island höchste Vorsicht geboten. In der Regel werden die vom Aussterben bedrohten Tiere sofort abgeschossen, da sie eine zu große Gefahr für den Menschen darstellen.

Erste Berichte von einem Eisbären auf Island gehen zurück auf das Jahr 890, also nur 16 Jahre nach Beginn der Landnahme. Ein Bauer in Vatnsdalur, Nordisland, soll damals einen weiblichen Bären mit zwei Jungen gesehen haben. Auch später während des Mittelalters wurden regelmäßig Eisbär auf Island gesichtet, doch schenkten die Menschen diesen Tieren zunächst wenige Aufmerksamkeit. Erst später, als sie den Wert des Pelzes entdeckten, wurden die seltenen Besucher auf Island abgeschossen, und die Pelze mussten an die dänische Krone übergeben werden. Das Anrecht auf die Pelze bestand bis ins Jahr 1900.

Im Jahre 1962 wurde auf der Insel Grimsey in Nordisland ein Eisbär abgeschossen. Das ausgestopfte Exemplar ist heute im Heimatmuseum in Húsavik zu besichtigen. Bis heute gibt es etwa 600 registrierte Eisbärsichtungen in Island. Die letzten Besuche eines Raubtiers aus Grönland waren 1993 und im Frühsommer 2008. Beide Tiere wurden aus Sicherheitsgründen von der Polizei abgeschossen.

Ansiedlungen durch den Menschen

Rentiere
Rentiere in Ostisland

1771 wurden 13 Rentiere aus Norwegen eingeführt, die sich vermehren sollten, um bei ausreichender Population vom Menschen gejagt werden zu können. Dieser Plan ging nach einigen Jahrzehnten auch auf. 1849 wurden Rentiere in Island durch ein Jagdgesetz erstmals zum Abschuss freigegeben. Heute leben etwa 3.000 Tiere dieser Art im Osten Islands. Sie haben jedoch nie die gewünschte wirtschaftliche Bedeutung erlangt, wie sie beispielsweise den Schafen zufällt. Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte man auch den Moschusochsen anzusiedeln - jedoch ohne Erfolg. Auch Nerze wurden nach Island eingeführt und auf Pelztierfarmen gehalten, um Fischabfälle sinnvoll zu verwerten. Viele dieser Tiere brachen aber aus den Farmen aus und richteten großen Schaden unter den heimischen Vögeln an, insbesondere den Enten, deren Bestände zum Teil stark dezimiert wurden.

Das weltbekannte Islandpferd kam mit den ersten Siedlern nach Island. Seine Rasse hat sich aufgrund der abgeschiedenen Lage der Insel in den letzten 1.100 Jahren nicht verändert. Islandpferde gehören auf der Nordatlantikinsel ebenso zum Landschaftsbild, wie Wasserfälle, Fjorde oder aber auch die Schafe. Diese alte nordische Rasse hat sich ebenfalls kaum verändert und lebt ähnlich wie die Pferde den Sommer auf sich alleingestellt auf den Hochweiden.


Nach obenSeite drucken