Fischerei in Island

Hafen von Heimaey
Hafen von Heimaey

Im Nordatlantik treffen in der Nähe von Island Ausläufer des warmen Golfstroms mit kalten Strömungen aus den Polarregionen aufeinander. Das Meer ist dort reich an Sauerstoff und Plankton und damit ein äußerst fischreiches Gewässer.

Durch verbesserte Technik und effektivere Fangmethoden ist im Laufe des 20. Jahrhunderts die Fischerei zu dem bedeutendsten Wirtschaftszweig Islands herangewachsen. Um die fischreichen Gewässer des Nordatlantiks besser für die eigene Fischereiwirtschaft zu nutzen, erweiterte Island in den 50er und 70er Jahren seine Fischereigrenzen schrittweise von drei auf 50 Seemeilen vor seiner Küste. Diese Ausdehnungen wurden von lautstarken Protesten der britischen Fischereiflotte begleitet, die ebenfalls in diesen Gewässern fischte. Nach einer Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen im Jahre 1974, bei der sich viele Nationen für eine 200-Seemeilen-Zone aussprachen, dehnte Island seine Fischereigrenzen nochmals um 150 Seemeilen aus, woraufhin es wieder zu heftigen Streitigkeiten mit Großbritannien kam. Britische Trawler fischten weiterhin in isländischen Gewässern, weshalb sich die isländische Küstenwache einschaltete, die Netze kappte und den Schiffsbesatzungen große Probleme bereitete. Daraufhin begleitete die britische Marine die Fangschiffe ihrer Landsleute in die isländischen Gewässer. Nach einigen gewaltsamen Zusammenstößen beider Parteien brach die isländische Regierung die diplomatischen Beziehungen mit Großbritannien ab und rief ihren Botschafter aus London zurück. Diese Streitigkeiten konnten erst durch die NATO zugunsten Islands beigelegt werden, die befürchtete, die im kalten Krieg strategisch wichtig gelegene Nordatlantikinsel als Mitglied zu verlieren. Diese Konflikte in den 50er und 70er Jahren sind als die so genannten Kabeljaukriege in die Geschichte eingegangenen.

Die Bedeutung der isländischen Fischerei für die Volkswirtschaft des Landes lässt sich noch deutlicher in ökonomischen Zahlen beschreiben. Jährlich werden fast 2 Mio. Tonnen Fisch im Wert von fast 58 Mrd. ISK in diesen Gewässern gefangen. Nach der Lodde (700.000 t) und dem Hering (298.000 t) gehört der Kabeljau mit einem Jahresfang von über 234.000 Tonnen zu den am häufigsten gefangenen Fischarten. Aber auch Schellfisch, Rotbarsch, Seewolf, Heilbutt und Scholle finden sich in den Netzen der Fischer. Die Hochseefischerei außerhalb isländischer Gewässer spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Unter Betrachtung des Außenhandels wird die Relevanz der Fischerei für Islands Volkswirtschaft besonders deutlich. Bis in die 80er Jahre hinein trug die Fischindustrie bis zu 80 Prozent des isländischen Exports bei. Durch den Ausbau anderer Wirtschaftszweige, wie z. B. des Tourismus und der Aluminiumindustrie, ist der Anteil am Export unter 50 Prozent gesunken. Dennoch erwirtschaftet die Fischerei und fischverarbeitende Industrie rund 42 Prozent des isländischen Exports und ist damit immer noch der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Branche steuert also einen wesentlichen Beitrag zu den Deviseneinnahmen des Landes bei.

Bei einer so großen Tragweite eines einzelnen Wirtschaftszweiges in einer Volkswirtschaft leuchtet es ein, dass eine globale Schwäche in dieser Branche, beispielsweise durch stark reduzierte Fangmengen zur Erhaltung der Fischgründe, zu einer wirtschaftlichen Krise in diesem Land führen kann. Das weltweite Problem der Überfischung und die daraus resultierenden kleineren Fangmengen machen sich auch in Island immer wieder bemerkbar. Der Hering war in isländischen Gewässern zeitweise gar nicht mehr zu finden. Inzwischen haben sich die Bestände erholt, in Teilen der EU-Fischereizone wie z. B. der Ostsee gelten sie sogar als stabil. Auch der Bestand von Seelachs ist in den Gebieten um Island und den Färöer Inseln bedroht. Die gleiche Situation findet sich bei Rotbarsch, Kabeljau, Heilbutt und Scholle, die praktisch überall in Europa überfischt sind.

Besonders umstritten ist in Island der Walfang. Die Internationale Walfangkommision (IWC) verbietet derzeit noch die kommerzielle Jagd auf die Meeresäugetiere. Island hingegen tritt für eine Wiederaufnahme des Walfangs ein. Das Thema ist mittlerweile Gegenstand des Streits und unterschiedlicher Auffassungen geworden. Viele Vertreter der isländischen Regierung und der Wirtschaft befürworten die Wiederaufnahme des Walfangs zur Unterstützung der Fischereiindustrie, die wie bereits erwähnt mit rückgängigen Fangquoten zu kämpfen hat. Begründet wird diese Absicht mit der Erholung der Walbestände in den Weltmeeren. Ob durch eine Lockerung des Fangverbots für Island wieder eine Einnahmequelle entsteht, ist nicht sicher. Das Washingtoner Artenschutzabkommen verbietet derzeit noch den Handel mit Walprodukten. Doch selbst nach Aufhebung des Handelssperre und Wiederaufnahme des Walfangs dürfte diese Branche gemessen an den Erträgen des Fischfangs nur eine geringe Bedeutung für den isländischen Gesamtexport haben, da die international zu vergebenden Fangmengen zum Schutz der Wale voraussichtlich niedrig gehalten werden.

Eine andere Möglichkeit, die Meeressäugetiere kommerziell zu nutzen, liegt in der Walbeobachtung für Touristen und Tierfreunde. Von verschiedenen isländischen Häfen stechen in der touristischen Hauptsaison zahlreiche Boote in See, um Wale und Delphine dem interessierten Beobachter näher zu bringen. Mittlerweile bildet die Walbeobachtung einen festen Bestandteil im Angebot der isländischen Tourismusbranche.


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